4.21 Nürnberg an der Pegnitz

Die Stadt

"Wenn man aus Niederfranken kommt und die Stadt aus der Ferne erblickt, zeigt sie sich in majestätischem Glanze, der durch die Schönheit ihrer Kirchen und die Breite ihrer Straßen noch vermehrt wird. Die kaiserliche Burg blickt stolz herab, und die Bürgerhäuser scheinen wie für Fürsten erbaut." Mit diesen Worten rühmte 1452 der Dichterfürst und Ratgeber König Friedrichs III., Enea Silvio Piccolomini, die Reichsstadt Nürnberg. Seitdem sind rund 550 Jahre vergangen, in der sich Nürnberg zu einer Großstadt mit knapp 500 000 Einwohnern und damit zur zweitgrößten Stadt des Freistaates Bayern entwickelt hat.

Durch die Ausdehnung hat sich das Stadtbild natürlich stark verändert. Aber dennoch hebt sich innerhalb der gesamten Bebauung die mittelalterliche Altstadt mit ihrem Befestigungsring und den eng aneinander geschmiegten Fachwerkhäusern unübersehbar ab. Trotz großer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist es durch Bemühungen der Stadtverwaltung und von Bürgervereinigungen gelungen, den Eindruck des geschichtlich gewachsenen Kerns zu bewahren. Er wird von der Pegnitz in die nördliche Sebalder und in die südliche Lorenzer Altstadt geteilt. Die erstere stellte mit Burg, Rathaus und Marktplatz ehemals das Zentrum dar, während die letztere erst seit 150 Jahren als Geschäftsviertel in den Vordergrund rückte.

Nürnberg liegt in einem ebenen, sandigen Gebiet an einer felsigen Erhebung, dem Burgberg, der der Stadt auch den Namen gab (Nürnberg = Felsberg). Die besondere Bodenbeschaffenheit hat vor allem im östlichen Halbkreis um die Stadt ausgedehnte Wälder entstehen lassen. Im Westen bestimmt eine von kleineren Waldstücken durchsetze bäuerliche Landschaft das Bild. Im Norden findet man ein hochwertiges Gemüseanbaugebiet vor, das im Volksmund auch Knoblauchsland genannt wird.

Für die Naherholung sind vor allem die Reichswälder von Bedeutung. Ein landschaftlicher Höhepunkt liegt dabei in den südöstlichen Stadtteilen mit dem Schmausenbuck (Tiergarten), dem Goldbachtal (Valznerweiher) und dem Gebiet der Dutzendteiche, das in den 1930er Jahren als Parteitagsgelände diente.

Während Nürnberg in früheren Zeiten zu den kulturell führenden Städten Deutschlands zählte, hat es diese Rolle inzwischen eingebüßt. Bezeichnend dafür ist, dass es heute die einzige deutsche Stadt in dieser Größe ist, die keine Universität besitzt. Da staatliche kulturelle Einrichtungen von größerer Bedeutung Mangelware sind, ist das Kulturleben weitgehend auf eigene Impulse angewiesen. So besteht ein breites Angebot an Kleinkunst. Daneben gibt es eine Reihe musikalischer Veranstaltungen, für die u. a. die Meistersingerhalle den festlichen Rahmen bietet. Auch Kirchenkonzerte und die jährliche internationale Orgelwoche sind hier zu nennen. Unter den Ausstellungen ragt das Germanische Nationalmuseum als einzige kulturelle Institution von weltweiter Bedeutung hervor.

Nürnberg hat sich im Laufe der Geschichte viele Beinamen und Attribute erworben wie Meistersingerstadt, Dürerstadt, Stadt des Spielzeugs, des Christkindlmarkts, der Lebkuchen und der Bratwürste, aber auch kritische wie Stadt der Reichsparteitage und der Kriegsverbrecherprozesse.

Zur Geschichte

Nürnberg wurde 1050 anlässlich der Freilassung einer "Hörigen" erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor hatten Kaiser Konrad II. am linken Pegnitzufer einen Königshof und Kaiser Heinrich III. auf dem Felsvorsprung am rechten Flussufer eine Burg zum Schutz des umliegenden Reichsgutes errichten lassen. Beide Gründungen entfalteten sich zunächst getrennt um ihre Mittelpunkte St. Lorenz und St. Sebaldus und wuchsen erst am Anfang des 14. Jahrhunderts zusammen.

Nach 1070 brachte der Zustrom zum Grab des wundertätigen Sebaldus bereits viele Besucher nach Nürnberg. Im Thronfolgestreit zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn wurde die Ansiedlung zerstört und 1130 durch den Bayernherzog Heinrich den Stolzen im Kampf gegen die Staufer besetzt, bevor sie der neu gewählte Kaiser Konrad III. als Reichsgut erhielt. Die Staufer bauten den Ort nun recht schnell aus. Im großen Freiheitsbrief von 1219 erhielt er durch Kaiser Friedrich II. die Stadtrechte und konnte sich bald zum mächtigsten Handelsplatz in Franken entwickeln. Die gewachsene Bedeutung Nürnbergs wurde auch durch mehrere Kaiseraufenthalte und Fürstentage unterstrichen. 

Nach dem Untergang der Staufer gelang es den führenden Geschlechtern von Nürnberg, die Selbstregierung zu erreichen, wobei die Oberherrschaft des Kaisers und sein Besitzrecht an der Kaiserburg jedoch gewahrt blieben. Konkurrenz bekamen sie dagegen durch die Hohenzollern, die als Burggrafen auf der älteren Reichsburg saßen und nunmehr mittels ihrer Gerichts- und Hoheitsrechte einen Teil des Umlandes zu ihrem Territorium machten. Trotz ihrer Selbständigkeit blieb die Stadt stets kaisertreu. Die 1356 hier verkündete "Goldene Bulle" verpflichtete sogar jeden neu gewählten Kaiser, seinen ersten Reichstag nach Nürnberg einzuberufen.

Im 14. Jahrhundert entstanden der Hauptmarkt mit Frauenkirche (1358) und Schönem Brunnen (1380), das Alte Rathaus (!340) sowie die schmuckvollsten Teile der beiden großen gotischen Kirchen (Lorenzer Schauseite 1355, Sebalder Ostchor 1379). Erstmals verbanden auch Bögen über die Pegnitz die beiden Stadthälften zu einer einheitlichen Befestigung (Henkersteg 1320), und bald danach begann der Bau einer weiter hinaus gerückten Stadtmauer. Der wirtschaftliche Reichtum drückte sich in Stiftungen vieler Klöster und des Heilig-Geist-Spitals (1339) aus. Zwischen 1495 und 1525 stand Nürnberg in seiner größten Blüte. Wirtschaftlicher Wohlstand, politische Macht und eine Atmosphäre geistiger und künstlerischer Aufgeschlossenheit machten die Stadt zu einer europäischen Metropole. Diese Zeit zwischen Spätgotik und Renaissance ist verbunden mit Namen wie Albrecht Dürer, Veit Stoß, Adam Kraft, Peter Vischer, Willibald Pirckheimer und Hans Sachs. 

Mit der Einführung der Reformation veränderte sich die politische Lage für Nürnberg. Die katholischen Kaiser gingen immer mehr auf Distanz zu der Stadt. 1543 fand hier der letzte Reichstag statt. Hinzu kamen Spannungen mit den Hohenzollern, die 1552 in einem Krieg gipfelten. Der wirtschaftliche Erfolg schien jedoch anzuhalten. Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) erreichte Nürnberg mit 50 000 Einwohnern seine bisher höchste Bevölkerungszahl. Dann schuf der große Krieg aber grenzenloses Elend. 1632 lagen sich Gustav Adolf in Nürnberg und Wallenstein in Fürth mit ihren Heeren Wochen lang gegenüber und prallten schließlich in einer blutigen Schlacht aufeinander. Nürnberg ging hoch verschuldet und mit einer stark dezimierten Bevölkerung aus dem Krieg hervor. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sah die Stadt wieder bessere Zeiten, die sich beispielsweise in der Gründung der ersten deutschen Kunstakademie (1662) und in der Blüte der Nürnberger Barockmusik (Pachelbel) ausdrückten.

Bis 1806 gehörte Nürnberg zwar noch zu den sechs freien Städten, die den Reichsdeputationshauptschluss überstanden, wurde dann aber in das Königreich Bayern eingegliedert. Während es politisch zu einer Provinzhauptstadt herabsank, nutzte das Gewerbe seine Chancen und machte Nürnberg allmählich zum industriellen Mittelpunkt Bayerns. Als Symbol für diesen Aufbruch stand ein Ereignis, das ein neues Zeitalter einleiten sollte: 1835 fuhr auf der Strecke Nürnberg-Fürth die erste Eisenbahn auf deutschem Boden.

1933 bestimmten die Nationalsozialisten Nürnberg als Ort ihrer Reichsparteitage. Man wollte an den Glanz früherer Kaiserhuldigungen anknüpfen. Nicht zuletzt deshalb war die Stadt Ende des Zweiten Weltkrieges Ziel massiver Luftangriffe durch die Alliierten, und wohl aus dem gleichen Grund fanden auch hier 1946 die Kriegsverbrecherprozesse der Sieger statt. Obwohl die Altstadt ein einziges Trümmerfeld war, gelang es in der Nachkriegszeit, die wichtigsten historischen Großbauten wieder herzustellen. Trotz aller Höhen und Tiefen steht Nürnberg heute als Zeugnis einer gewachsenen Stadtkultur und Begegnungsstätte mit der deutschen Geschichte dar.

Sehenswertes

Die Nürnberger Burg | Lorenzkirche, Sebalduskirche, Frauenkirche
Germanisches Nationalmuseum, Stadtmuseum Fembohaus, Verkehrsmuseum, Spielzeugmuseum, Naturhistorisches Museum, Tucherschlösschen, Albrecht-Dürer-Haus
| Stadtbefestigung, Rathaus, Heilig-Geist-Spital, Weinstadel, Unschlitthaus, Henkersteg, Kettensteg, Nassauer Haus, Mauthalle, Bahnhof, Handwerkerhof, Gerichtsgebäude,  Reichsparteitagsgelände

Freizeitangebote

In der näheren und weiteren Umgebung von Nürnberg gibt es zahlreiche vom Fränkischen Albverein markierte Wanderwege. Fahrradfahrer finden ein ausgebautes Radwegenetz vor. Ansonsten verfügt Nürnberg über ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot, wie es in allen Großstädten üblich ist. Hierzu zählen unter anderem Tennis, Squash, Eislauf, Golf auf der Golfanlage am Reichswald sowie Baden in mehreren Freibädern und Hallenbädern. 

Zu den wichtigsten Festveranstaltungen und Märkten in Nürnberg gehören die Internationale Spielwarenmesse im Februar, das Frühlingsvolksfest im April, der Spargelmarkt Ende Mai, das Altstadtfest im September sowie der international bekannte Christkindlesmarkt. 

Nürnberg | Die Nürnberger Burg | Lorenzkirche, Sebalduskirche, Frauenkirche | Germanisches Nationalmuseum, Stadtmuseum Fembohaus, Verkehrsmuseum, Spielzeugmuseum, Naturhistorisches Museum, Tucherschlösschen, Albrecht-Dürer-Haus | Stadtbefestigung, Rathaus, Heilig-Geist-Spital, Weinstadel, Unschlitthaus, Henkersteg, Kettensteg, Nassauer Haus, Mauthalle, Bahnhof, Handwerkerhof, Gerichtsgebäude,  Reichsparteitagsgelände

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

4.01 Colmberg
4.02 Colmberg – Geschichte
4.03 Burg Colmberg
4.04 Ortsteil Auerbach
4.05 Ortsteil Bieg
4.06 Ortsteil Binzwangen
4.07 Ortsteil Häslabronn
4.08 Colmberg – Bienenstand
4.09 Colmberg – Wandern –
Eichenwaldweg

4.10 Ansbach – Rokokostadt
4.11 Markgräfliches Schloss
4.12 Kirchen in Ansbach

4.13 Lichtenau
4.14 Feste Lichtenau

4.15 Wolframs-Eschenbach
4.16 Marktplatz – Wolfram-von-Eschenbach-Platz

4.17 Abenberg
4.18 Burg Abenberg

4.19 Roth
4.20 Markgrafenschloss Ratibor

4.21 Nürnberg
4.22 Nürnberger Burg
4.23 Kirchen in Nürnberg
4.24 Museen in Nürnberg
4.25 Profanbauten in Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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