4.22 Nürnberger Burg

Die Nürnberger Burg

Die Nürnberger Burg liegt am Nordrand der Altstadt auf einem von Osten her allmählich ansteigenden und nach Westen hin bastionsartig steil abfallenden Sandsteinrücken. Im Mittelalter war sie eine der wichtigsten Wehranlagen in Europa und Schwerpunkt des Reiches. Auf ihr weilten von 1050 bis 1571 zeitweise alle anerkannten deutschen Könige und Kaiser und hielten zahlreiche Reichstage, Hoftage und Gerichtstage ab. Historisch gliedert sich die Nürnberger Burg in drei Teile: die Reste der Burggrafenburg in der Mitte, die Kaiserburg im Westen und die reichsstädtischen Anlagen im Osten und Norden.

Zur Geschichte

Die Burggrafenburg (ehemalige Reichsburg), der älteste Teil der Nürnberger Burg, stammt aus der Mitte des 11. Jahrhunderts und war ein Lehen des Kaisers an die hohenzollerischen Burggrafen. Mit dem Bau wurde unter Kaiser Heinrich III. begonnen. Unter Kaiser Heinrich IV. (1056 bis 1106) wurde er fertiggestellt. Die Verwaltung hatten zunächst die Herren von Raabs und ab 1192 die Hohenzollern inne. Deren ausgreifende Territorialpolitik im fränkischen Umland führte zu Spannungen mit der Stadt Nürnberg, die sich aber dem Einfluss der Burggrafen entziehen und ihre Selbständigkeit bewahren konnte.

Ab 1140 entstanden auf dem gleichen Fels die Bauten der neuen Kaiserburg (Sinwellturm, Palas, Heidenturm und Kemenate) durch Konrad III. (1138 bis 1152). Friedrich Barbarossa (1152 bis 1190) ließ sie zwischen 1170 und 1180 vollenden. Ihre Entstehung verdankt die Kaiserburg dem Bemühen der staufischen Kaiser um das zerstreute Reichsgut in Süd- und Mitteldeutschland. Verwaltet wurde sie unmittelbar von Reichsministerialen. Damit war die Nürnberger Burg in zwei Teile geteilt, in die Kaiserburg und die Burggrafenburg. Als Antwort auf die Errichtung der Kaiserburg fand unter Friedrich I. von Hohenzollern wohl ein weitgehender Neubau der Burggrafenburg statt. Im 13. Jahrhundert übernahm die Stadt die Obhut über die Kaiserburg. Wenn der Kaiser aber Nürnberg besuchte, standen ihm immer alle Räume zur Verfügung.

Mit der Errichtung des Turms Luginsland im Jahre 1377 wurde die dritte Bauperiode der Nürnberger Burg eingeleitet, die der reichsstädtischen Bauten. Der Luginsland wurde direkt an die Grenze des burggräflichen Gebiets hingestellt, um dem ungeliebten Nachbarn auf die Finger sehen zu können. Als die Hohenzollern 1427 nach vorangegangener Zerstörung ihren Teil der Anlage an die Stadt verkauften, verschwand endlich der Fremdkörper innerhalb der Mauern von Nürnberg, doch blieb der benachbarte Hohenzollernstaat (zunächst "Burggrafschaft Nürnberg", später "Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth" genannt) noch lange Zeit ein gefährlicher Feind.

Zwischen 1440 und 1442 wurde unter Kaiser Friedrich III. der Palas umgebaut und die Kemenate mit den anschließenden Wirtschaftsgebäuden errichtet. Weitere bauliche Maßnahmen folgten in der zweiten Hälfte des 15. und im 16. Jahrhundert, darunter die Errichtung der so genannten Kaiserstallung als Kornhaus in den Jahren 1494/1495 sowie die Anlage gewaltiger Basteien an der Nord- und Nordwestseite zwischen 1538 und 1545.

Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden zur Erhaltung der Nürnberger Burg mehrfach Restaurierungen durchgeführt. Für dieses Bemühen bedeuteten die schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg einen herben Rückschlag. Lediglich die romanische Doppelkapelle der Kaiserburg und der Heidenturm blieben weitgehend verschont. Doch bereits 1946 wurde mit der Wiederherstellung der Anlage begonnen. 1971 konnten die Arbeiten im wesentlichen abgeschlossen werden.

Die Anlage

Burggrafenburg

Der Aufstieg zur Nürnberger Burg führt am besten am Fünfeckigen Turm vorbei, dem ehemaligen Bergfried der Burggrafenburg. Der Ende des 12. Jahrhunderts errichtete Turm ist heute um ein spätgotisches Bachsteingeschoss mit kleinem Holzchor und einem flachen Pyramidendach überhöht. Der größte Teil der Hohenzollernanlage ist seit ihrer Vernichtung im Jahre 1420 eine Ruine. Nur das Vestnertor, die Amtmannswohnung und die Walpurgiskapelle sind noch erhalten. Ansonsten umschließt das Areal lediglich eine lose zusammenhängende Gruppe von Sperrmauern. Den Fünfeckigen Turm und die Walpurgis-Kapelle verbindet seit 1537 ein Hohlweg.

Von der Brüstungsmauer der Freiung, eines im Mittelalter durch sein Asylrecht ausgezeichneten Platzes, bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Stadt Nürnberg. Nördlich der Freiung nehmen das Amtmannshaus und das Vestnertor als Nordtor der Burggrafenburg in Bezug auf die Wehrhaftigkeit eine Schlüsselrolle ein. Das Amtmannshaus ist ein wohnturmartiger Buckelquaderbau. Die beiden Obergeschosse sind mit Rechteckfenstern versehen. Sie erheben sich über einem tonnengewölbten Keller. Das Vestnertor besteht aus einem spitzbogigen Eingang mit Fallgitter und einem flankierenden Rundturm.

Die Walpurgis-Kapelle am Südende der westlichen Abschlussmauer war bis zum 15. Jahrhundert dem hl. Ottmar geweiht. Der Chorturm ist als Wehrturm gestaltet. Das Erdgeschoss des Turms ist im Kern noch romanisch. Ansonsten präsentiert sich das Gotteshaus als Neubau, der nach der Zerstörung der Burggrafenburg 1420 errichtet worden ist. Unter den Ausstattungsstücken der Kapelle fällt an der Westwand ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert mit echten Haaren auf.

Kaiserburg

Die Bauten im äußeren Hof der Kaiserburg sind ehemalige Wohnungen (Palas und Kemenatenbau), Betriebsgebäude und Stallungen. Die ursprünglich staufischen Gebäude wurden vor fast jedem Reichstag umgebaut oder modernisiert. Ihr jetziges Aussehen entspricht dem des 16. Jahrhunderts. Durch ein Renaissanceportal, das vom Reichsadler und dem Nürnberger Doppelwappen geschmückt wird, betritt der Besucher den inneren Burghof, der im Winkel von Palas und Kemenate liegt. Frei besichtigt werden kann der Tiefe Brunnen mit 53 Meter tiefem Brunnenschacht aus dem 12. Jahrhundert. Das Brunnenhaus ist im Obergeschoss mit Fachwerk versehen. Der wichtigste Wachtturm der Burg war Jahrhunderte lang der Sinwellturm. 1561 erhielt er den charakteristischen Dachabschluss.

Der Kemenatenbau ist ein viergeschossiges Gebäude mit Walmdach. Der Palas erhebt sich als zweigeschossiger Sandsteinquaderbau über einem tonnengewölbten Keller. Nach oben wird er von einem Satteldach abgeschlossen. An der östlichen Stirnseite grüßt eine Figur des hl. Petrus aus dem 15. Jahrhundert, deren Gegenstück die Figur des hl. Paulus an der benachbarten Burgkapelle darstellt.

Die zweigeschossige Burgkapelle mit dem Heidenturm schließt sich östlich an den Palas an. Der quadratische Heidenturm ist gekennzeichnet durch romanische Konsolen und stark verwitterte Skulpturen, auf die der Name des Turms zurückgeht. Er dient gleichzeitig als Chorturm der Kapelle. Diese besteht aus einer kryptenhaft düsteren Unterkapelle (Margarethenkapelle) und einer hell wirkenden Oberkapelle (Kaiserkapelle).

Die Margarethenkapelle betritt man durch ein Rundbogenportal. Ihr Deckengewölbe wird von vier gedrungenen Sandsteinsäulen getragen. Die Kapitelle zieren Adler, Löwenköpfe und Palmetten. Zur Ausstattung gehören das Vortragekreuz aus vergoldetem Kupfer auf einer mittelalterlichen Altarmensa, das Gestühl aus dem 15. Jahrhundert, die Evangelistensymbole an den Passenden aus dem 13. Jahrhundert, ein Steinrelief an der südlichen Chorbogenlaibung sowie zwei Epitaphe aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit den Darstellungen der Auferstehung und Himmelfahrt Christi.

Die hell beleuchtete Kaiserkapelle stellt einen starken Kontrast zur Margarethenkapelle dar. Die Westseite nimmt die zweigeschossige Kaiserempore ein. Das untere Geschoss ist durch ornamentierte Arkaden gekennzeichnet. Durch eine Fachwerktrennung wurde 1520 das südliche Joch der Kaiserempore zum Oratorium Kaiser Karls V. umgestaltet. Das Kreuzgratgewölbe der Kaiserkapelle ruht auf vier Säulen und acht Blattkonsolen. Sehenswert sind der Hauptaltar mit einem geschnitzten Kruzifix aus der Zeit um 1500, der linke Seitenaltar mit stehender Muttergottes im Strahlenkranz unter einem Baldachin aus der gleichen Zeit, der rechte, 1487 von Kaiser Friedrich III. gestifteten Seitenaltar mit den Figuren der Heiligen Karl der Große und Helena sowie Heinrich und Kunigunde, je zwei Altarflügel an der südlichen Stirnwand und der Kapellennordwand mit Darstellungen der Heiligen Kaiser Heinrich II. und Martin bzw. des Pfingstwunders und des Tod Mariens aus dem späten 15. Jahrhundert sowie die Muttergottesfigur im Chor aus dem 13. Jahrhundert.

Die Innenräume der Burg können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Zu besichtigen sind die romanische Doppelkapelle, der zweischiffige Rittersaal, der Kaisersaal mit einer Bretterdecke in den alten Reichsfarben schwarz-gelb und mehreren Kaiserbildnissen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, das Empfangszimmer des Kaisers mit einer bemalten Decke von 1520, die alle Wappen des habsburgischen Weltreiches zeigt, einschließlich Indiens und Amerikas, sowie das Wohn- und Schlafzimmer des Kaisers mit einer bemerkenswerten Adlerdecke von 1520 in vertauschten Farben.

Reichsstädtische Bauten

Von den reichsstädtischen Bauten ist die Kaiserstallung, die Ende des 15. Jahrhunderts zwischen Luginsland und Fünfeckigem Turm errichtet worden ist, am bedeutendsten. Sie diente als Kornspeicher und bei Reichstagen auch als Marstall. Heute ist in den Räumen des dreigeschossigen Sandsteinquaderbaus mit sechsgeschossigem Satteldach ein Jugendgästehaus untergebracht.

Der älteste der reichsstädtischen Bauten war der 1377 errichtete Beobachtungsturm Luginsland. Der heutige hohe, viereckige Turm ist ein kompletter Neubau aus den 1950er Jahren. Bekrönt wird er von einem Spitzhelm und vier Scharwachttürmchen.

Reizvoll ist auch eine Begehung der Bastionen auf der Nordseite der Burg, die heute als Burggarten gestaltet sind. Im Nordwesten umschließt ein aufgefüllter Graben in Form eines Kleeblatts die drei Bollwerke der Hauptbastei, der Tiergärtnerbastei und der Vestnertorbastei. Tiergärtnerbastei und Vestnertorbastei waren einst mit doppelten Schlagbrücken versehen. An den drei äußeren Ecken der Vestnertorbastei befindet sich je eine mächtige Kartusche mit dem Reichswappen und den beiden Stadtwappen. Von der Vestnertorbastei führt eine Tür in den Wehrgang der Stadtmauer.

Öffnungszeiten: April bis September täglich 9 bis 12 Uhr und 12.45 bis 17 Uhr und Oktober bis März 9.30 bis 12 Uhr und 12.45 bis 16 Uhr

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