5.01 Erlangen

Die Stadt

Erlangen mit etwas mehr als 100 000 Einwohner liegt 24 Kilometer nördlich von Nürnberg auf einer eiszeitlichen Terrasse am östlichen Ufer der Regnitz, in die hier die Schwabach mündet. Die mittelfränkische Kreis-, Industrie- und Universitätsstadt hat mehrere Anschlussstellen an die Autobahnen A 73 (Nürnberg-Bamberg) und A 3 (Frankfurt-Nürnberg) und ist Haltepunkt der ICE-Strecke München-Berlin. Der Verkehrsflughafen Nürnberg ist etwa 15 Kilometer entfernt. 

Der Stadtkern der achtgrößten Stadt in Bayern mit seinem regelmäßigen, rechtwinkligen Straßennetz wird noch heute entscheidend vom Barock geprägt. Zur Erkundung der Sehenswürdigkeiten empfiehlt sich ein Stadtrundgang zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Erlangen vermittelt jedoch nicht nur eine historische Atmosphäre, sondern präsentiert sich als ausgesprochene Studentenstadt auch in jugendlichem Flair. Darüber hinaus ist die Stadt Veranstalter von zahlreichen Kongressen, Tagungen und Symposien. Zukunftsträchtige Industriezweige, moderne Technologie und viele Forschungseinrichtungen, vor allem im Bereich der Medizin, sind hier zu Hause. 

Wie viele andere Städte hat Erlangen eine Flaniermeile. Das Besondere aber ist die Dichte an Fachgeschäften, Kaufhäusern und Boutiquen. Wer hier einkauft, kann sich bequem auf zwei Fußgängerachsen bewegen. Die Obere Karlsstraße ist die ältere, die Nürnberger Straße die modernere. Innerhalb des Stadtgebiets von Erlangen finden sich viele Grünzonen. Kleine Gartenanlagen oder große Parks, Waldgebiete und Flußauen geben Raum für Entspannung. Besonders schön ist das Erholungsgebiet Dechsendorfer Weiher.

Der Name Erlangen setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen. Der erste weist auf einen Bestand an Erlen, der zweite auf eine Lage am Berghang hin. Damit sind der Burgberghang und die erlenbewachsenen Ufer der Schwabach gemeint. Das Stadtwappen von Erlangen besteht aus drei Schilden, dem Brandenburger Adler, dem preußischen Adler und dem böhmischen Löwen. Der untere Teil stellt das Wappen der mittelalterlichen Stadt dar. Der böhmische Löwe erinnert an die Stadterhebung im Jahre 1398. Die beiden oberen Schilde sind Zeichen der Erlanger Neustadt.

Zur Geschichte

Schon in vorfränkischer Zeit war der Raum Erlangen besiedelt. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1002. Zu dieser Zeit war Erlangen im Besitz des Bistums Würzburg. Ab 1017 gehörte der Ort zum Hochstift Bamberg, bis ihn 1361 Kaiser Karl IV., gleichzeitig König von Böhmen, erwarb. Unter der Herrschaft Karls IV. und dessen Sohns Wenzel erlebte Erlangen seinen ersten wirtschaftlichen Aufschwung. 1374 erhielt der Ort das Marktrecht und eine eigene Münzstätte. 1398 wurde er zur Stadt erhoben, um die eine Mauer mit Türmen und Gräben gezogen wurde. An der Westseite wurde eine Burg errichtet, von der jedoch nichts mehr übriggeblieben ist.

1402 gelangte Erlangen durch Verpfändung an die Burggrafen von Nürnberg und in der Konsequenz unter die markgräfliche Oberhoheit von Kulmbach-Bayreuth, unter der die Stadt bis 1792 blieb. 1528 führten die Markgrafen in Erlangen die Reformation ein. Hatte die Stadt bereits in den beiden Markgrafenkriegen 1449 und 1553 schwer zu leiden, so kam es für sie im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) noch viel schlimmer. 1632 und 1634 wurde sie von kaiserlichen und Forchheimer Truppen so sehr verwüstet, dass sie lange zerstört liegen blieb. Auch die Burg, deren Reste 1782 endgültig abgerissen wurden, wurde fast vollständig zerstört.

Ein Ereignis von großer Tragweite war die Ansiedlung von aus Frankreich emigrierten Hugenotten. Für sie ließ Markgraf Christian Ernst (1655 bis 1712) ab 1686 südlich vom Stadtkern eine Neustadt auf schachbrettförmigem Grundriss anlegen. Die Hugenotten spielten bald im Wirtschaftsleben der Region eine bedeutende Rolle. Ihnen wurden zahlreiche Privilegien wie Steuerbefreiung und kostenlose Materialbeschaffung zum Bau von Häusern und Manufakturen gewährt. Unter den Glaubensflüchtlingen befanden sich hauptsächlich spezialisierte Handwerker, so dass die Neustadt zunächst als reine Manufakturstadt geplant war. Diese Zielvorstellung wurde jedoch mit dem Einbruch des höfischen Elements aufgegeben. Das ab 1700 erbaute Schloss bewirkte eine Vergrößerung der Stadtanlage nach Osten und die Ansiedlung einer Ritterakademie, aus der 1743 die Universität hervorging, eine solche nach Süden. 1810 wurde Erlangen dem Königreich Bayern eingegliedert. Erst 1812 wurden Altstadt und Neustadt vereinigt und kamen unter eine gemeinsame Verwaltung. 

Die jüngere Geschichte Erlangens war geprägt durch die Ansiedlung größerer Industriebetriebe, darunter auch der Siemens AG. Die Universität entwickelte sich zur zweitgrößten in Bayern. Die Einrichtung einer technischen Fakultät 1966 in unmittelbarer Nähe zum Siemens-Forschungszentrum war von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der Stadt zu einem der führenden Zentren auf dem Gebiet der Mikroelektronik in Europa. Durch die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsarten und die Anstrengungen in Bezug auf die Stadtbegrünung hat Erlangen heute auch den Ruf einer Öko-Stadt.

Sehenswertes

Markgräfliches Schloss, Schlossgarten mit Orangerie und Botanischem Garten | Evangelisch-Reformierte Pfarrkirche (Hugenottenkirche), Neustädter Pfarrkirche (Universitätskirche), Altstädter Pfarrkirche (Dreifaltigkeitskirche)

Markgrafentheater

Über den Theaterplatz mit seinen eindrucksvollen Fassaden erreicht man eines der Kulturzentren von Erlangen. Besonders sehenswert ist das Markgrafentheater. Das älteste noch bespielte Barock-Bühnenhaus in Süddeutschland wurde in den Jahren 1715 bis 1719 unter Markgraf Georg Wilhelm als "Hochfürstliches Opern- und Comödienhaus" im Stil des italienischen Operntheaters erbaut. Auf Geheiß von Markgräfin Wilhelmine gestaltete 1743 der Theatermaler Giovanni Paolo Gaspari den Innenraum im Stil des Rokoko völlig neu aus. Im Jahre 1838 kam es in den Besitz der Stadt. Wenn der Theaterraum auch schlichter als die stilgeschichtlich vergleichbaren in Bayreuth oder München ist, so präsentiert er sich heute dennoch als einer der hervorragenden Theaterräume des 18. Jahrhunderts. Über dem hohen Parterresockel erheben sich drei Ränge von hufeisenförmigem Grundriss. Gegenüber der Bühne befindet sich in Höhe des ersten Ranges die Fürstenloge.

Das Markgrafentheater bildet mit dem ehemaligen Marstall, in dem das Theater in der Garage untergebracht ist, und dem benachbarten Redoutenhaus eine symmetrische Baugruppe. Der 1721/1722 erbaute Marstall diente als Unterstellplatz für die markgräflichen Pferde. Später nutzte ihn die Feuerwehr als Spritzenhaus. Im Obergeschoss befanden sich Nebenräume für den mit dem Theater räumlich verbundenen Redoutensaal. Dieser wurde im Karneval 1719 zum ersten Mal als großes Foyer benutzt. Zwischen Theater und Redoutensaal führt ein Durchgang zum Schlossgarten.

Altstädter Rathaus / Stadtmuseum

Bis zur verwaltungspolitischen Vereinigung von Altstadt und Neustadt im Jahre 1812 diente das Altstädter Rathaus als Sitz des Magistrats. Erbaut wurde es 1736 an Stelle der alten Münzstätte. Heute beherbergt der repräsentative Barockbau das Stadtarchiv und das Stadtmuseum. Von außen sind die dreigeschossige, monumentale Fassade unter einem steilen Mansarddach und das Portal im Erdgeschoss sehenswert.

Das Stadtmuseum wurde von 1989 bis 1993 grundlegend renoviert und erweitert. Der heutige Museumskomplex umfasst außer dem ehemaligen Altstädter Rathaus auch noch ein benachbartes Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert. Die ständige Ausstellung zur Stadtgeschichte befindet sich noch im Aufbau. Zu sehen sind bislang drei Abteilungen, in denen die Geschichte Erlangens seit Gründung der Neustadt 1686 vorgestellt wird. Ergänzend zeigt das Stadtmuseum Sonderausstellungen zur Stadt-, Kultur-, Sozial- und Technikgeschichte sowie zur Kunst, vor allem von Künstlern aus der Region. 
Öffnungszeiten: Dienstags bis samstags 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr

Palais Stutterheim

Das markanteste Gebäude am Marktplatz ist das sich an dessen Südseite erhebende Palais Stutterheim. Erbaut wurde der dreieinhalbgeschossige Barockbau mit Mansarddach und giebelbekröntem Mittelrisaliten  zwischen 1728 und 1730 für den Amtshauptmann Hieronymus von Stutterheim. Von 1836 bis 1971 diente er als Rathaus. Heute beherbergt das Palais Stutterheim zwei Galerien, die Stadbücherei, das Kulturamt und andere kulturelle Einrichtungen. Die Innenräume schmücken reiche Stuckarbeiten.

Burgberg

Der Burgberg befindet sich am Nordrand von Erlangen. Er ist in vielfältiger Weise beeindruckend. Jedes Jahr an Pfingsten seit 1775 ist das Gelände des Schießhausplatzes Schauplatz der weitbekannten Bergkirchweih. Aber auch an anderen Tagen laden die verschiedenen Einrichtungen am Burgberg zu einem Besuch ein. Im verträumten Burgberggarten zum Beispiel vermitteln die Skulpturen des Erlanger Bildhauers Heinrich Kirchner eine besondere Begegnung mit bildender Kunst. Das nahe Musikinstitut steht für das reiche musikalische Leben der Stadt, das "Platenhäuschen" für das eine oder andere literaturgeschichtliche Histörchen. Und während die Keller der Erlanger Brauereien von der einstigen Biermetropole künden, mahnt der israelitische Friedhof in stiller Würde zum Nachdenken und Erinnern. 

Naherholungsgebiet Dechsendorfer Weiher

Im Sommer wie im Winter lockt das Naherholungsgebiet Dechsendorfer Weiher zum Freizeitvergnügen. Dort, wo die Erlanger Stadtgrenze auf das Weihergebiet des östlichen Rangau trifft, befindet sich ein wahres Eldorado für Naturliebhaber und Sportfreunde, das nicht nur die Erlanger schätzen. Das umfangreiche Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten und ein Campingplatz am Ufer des Weihers machen das Modellprojekt zu einem beliebten Ferienziel für Gäste aus nah und fern. Die waldreiche Umgebung birgt Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Sie lädt zu ausgedehnten Spaziergängen und naturkundlichen Exkursionen ein. Über 40 Hektar Wasserfläche lassen das Herz eines jeden Wassersportlers höher schlagen. Hier treffen sich Segler, Surfer, Ruderer und Paddler sowie Sonnenanbeter, die sich im kühlen Nass erfrischen. Kurzweilige und gesellige Stunden finden Sommerfrischler auf ausgedehnten Liege- und Spielwiesen oder auf den Grillplätzen im Wald und den Sandsteinbrüchen. Auch in der kalten Jahreszeit ist das Naherholungsgebiet Dechsendorfer Weiher ein Ort für sportliche Betätigung. Dann ist er Anlaufpunkt zum Schlittschuhlaufen, Rodeln und Eisstockschießen.

Weitere Freizeitangebote

Mit seinen vielen Waldgebieten, Laufpfaden, Sportplätzen und Schwimmbädern bietet Erlangen eine Reihe von Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Vorbildlich ist das Radwegenetz in der Stadt ausgebaut.

Abwechslungsreich präsentiert sich auch die Kultur in Erlangen. Veranstaltungen, die viele Besucher anziehen, sind zum Beispiel der Internationale Comic-Salon, das Schlossgartenfest, das Figurentheater-Festival, die Internationalen Literaturtage oder das Erlanger Poetenfest. Das größte Volksfest ist die Erlanger Bergkirchweih. Alljährlich strömen die Gäste zu Pfingsten auf den Burgberg, um sich ganz dem Feiern, dem Essen und Trinken hinzugeben.

Erlangen | Markgräfliches Schloss, Schlossgarten mit Orangerie und Botanischem Garten | Evangelisch-Reformierte Pfarrkirche (Hugenottenkirche), Neustädter Pfarrkirche (Universitätskirche), Altstädter Pfarrkirche (Dreifaltigkeitskirche)

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

5.01 Erlangen
5.02 Markgräfliches Schloss
5.03 Kirchen in Erlangen

5.04 Forchheim
5.05 Kaiserpfalz

5.06 Ebermannstadt

5.07 Wiesenttal
5.08 Burgruine Neideck
5.09 Burgruine Streitberg

5.10 Gößweinstein
5.11 Burg Gößweinstein
5.12 Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit

5.13 Pottenstein
5.14 Burg Pottenstein
5.15 Teufelshöhle

5.16 Waischenfeld
5.17 Burgruine Waischenfeld
5.18 Burg Rabeneck
5.19 Burg Rabenstein

5.20 Aufseß
5.21 Schloss Aufseß

5.22 Heiligenstadt
5.23 Burg Greifenstein

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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