5.05 Kaiserpfalz in Forchheim

Kaiserpfalz / Pfalzmuseum

Das Schloss der Bamberger Fürstbischöfe, im Volksmund Kaiserpfalz genannt, steht vermutlich an der Stelle des früheren fränkischen Königshofes, wobei diese Annahme bisher durch Ausgrabungen nicht belegt werden konnte.

Zur Geschichte

Otto der Heilige (1102 bis 1139) ließ im 12. Jahrhundert eine Pfalz und die dazugehörige Marienkapelle errichten. Dieses steinerne Haus wurde zwischen 1350 und 1400 unter dem Bamberger Fürstbischof Lambert von Brunn neu und als größere Anlage erbaut, von der der östliche Hauptbau und im Kern die westlichen Hofgebäude stammen. Die Kaiserpfalz diente den Bamberger Fürstbischöfen als zweite Residenz zu Amts- und Repräsentationszwecken und in unruhigen Zeiten als Zufluchtsort. Im 16. und 17. Jahrhundert erfuhr die Pfalz durch den Anbau eines Süd- und eines Nordtraktes eine Erweiterung zur vierflügeligen Anlage. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Treppengiebel durch ein Walmdach ersetzt.

Im Zuge der Säkularisation fiel das Schloss an das Königreich Bayern. Im 19. Jahrhundert wurde es als königliches Rentamt genutzt. Dem Einsatz engagierter Bürger ist es zu verdanken, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht abgerissen wurde. Stattdessen wurde 1911 im Hauptgebäude das Pfalzmuseum eingerichtet. Heute ist die Kaiserpfalz ein Ort kulturellen Lebens. Die historischen Räume bieten den idealen Rahmen für Konzerte und Ausstellungen. Der stimmungsvolle Innenhof lädt ein zu Theater und Musikdarbietungen. Im Juni wird das ganze Schlossgelände beim beliebten mittelalterlichen Kunsthandwerkermark zum Treffpunkt für Künstler und Käufer.

Die Anlage

Die Kaiserpfalz, eine von Gräben umgebene quadratische Anlage, umschließt einen stimmungsvollen Innenhof, den man jenseits des von einer Fachwerkgalerie abgeschlossenen Querbauses erreicht. Aus romanischer Zeit stammt noch der in der Südwand eingemauerte Basilisk, ein Fabelwesen, halb Drache, halb Hahn, zur Abwehr böser Geister. An der rechten Seite erhebt sich beherrschend der hohe dreigeschossige Hauptbau, dem ein Treppenturm mit Renaissancehaube vorgesetzt ist. Jedes Stockwerk verfügt über je zwei Säle, wobei der bemerkenswerteste der Kaisersaal ist.

Das Hauptgebäude birgt die ältesten gotischen Wandmalereien, die in einem fränkischen Profanraum erhalten sind (1350 bis 1400). Zu sehen sind im Kaisersaal im Erdgeschoss König David als Richter und Hüter der Gerechtigkeit und im ersten Obergeschoss eine Dreikönigsdarstellung, Christus als Weltenrichter mit den Aposteln, die Verkündigung an Maria sowie allegorische Szenen. Die Wandgemälde im zweiten Obergeschoss mit alttestamentarischen Szenen und illusionistischen Architekturmalereien stammen aus dem 16. Jahrhundert. Sie sind ein Werk des Hofmalers Jacob Ziegler aus Bamberg.

Hauskapelle / Marienkapelle

Die zur Kaiserpfalz gehörende Marienkapelle ist eine Stiftung Ottos des Heiligen (1102 bis 1139) aus dem 12. Jahrhundert. Nach ihrem ersten Umbau im 14. Jahrhundert diente sie als Hauskapelle der Kaiserpfalz. Im 18. Jahrhundert wurde sie erneut in barocken Formen umgestaltet. Sie ist ein einfacher Bau mit flachgeschlossenem Chor. Der Dachreiter stammt aus dem Jahre 1591. Die Wände schmücken Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Unter den Ausstattungsstücken verdienen der Hochaltar mit Tabernakel und Seitenfiguren aus dem 15. Jahrhundert, die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert, ein Ölberg aus dem 15. Jahrhundert sowie mehrere Prozessionsfiguren Beachtung.

Pfalzmuseum

Das im Hauptgebäude eingerichtete Pfalzmuseum bietet auf knapp 1000 qm Ausstellungsfläche neben einer Gemäldegalerie Sammlungen zur Volkskunde und der Vor- und Frühgeschichte der Region, vor allem von Ehrenbürg, dem Hausberg der Stadt Forchheim, dessen Siedlung geradezu stadtähnlich ausgebaut war. Aus der Spätsteinzeit stammen die so genannten Glockenbecher. Die berühmten bronzezeitlichen Zeichensteine aus Sandstein lassen aufgrund ihrer geometrischen Ornamentik auf eine kultische Bedeutung schließen. Beachtenswert ist auch der "Hortfund Serlbach", dessen Äxte und Speerspitzen in der frühen Bronzezeit gefertigt worden sind. Unter den kunsthandwerklichen Ausstellungsstücken ist der 1582 in Nürnberg gefertigte Pokal hervorzuheben, ein Meisterwerk damaliger Goldschmiedekunst. In der volkskundlichen Abteilung sind alte Möbel, Haushaltsgeräte und Werkzeuge zu sehen.

Im zweiten Obergeschoss, dessen Ausschmückung in der Renaissance erfolgte, befindet sich eine Bilderfolge des in Forchheim geborenen Malers Georg Mayer-Franken (1870 bis 1926). Mayer-Franken studierte und arbeitete in München. Er war Lehrer an der dortigen städtischen Malschule und aktiv am Münchener Kunstleben beteiligt. Seine Bilder reichen von "akademischen Werken" bis hin zu Arbeiten, die von Jugendstil und Impressionismus beeinflusst sind. Seiner Heimatstadt hinterließ er nach seinem Tode über 60 Gemälde. In der Hauskapelle sind gotische Tafelbilder und Plastiken ausgestellt.
Öffnungszeiten: Mai bis Ende Oktober täglich außer montags 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr (bis 2003 wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten geschlossen)

Burgenstraße

 

 

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