6.26 Kulmbach – Bierstadt

Die Stadt

Die Große Kreisstadt Kulmbach mit rund 30 000 Einwohnern liegt am Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main zwischen den Ausläufern der Fränkischen Schweiz, des Frankenwaldes und des Fichtelgebirges. Umgeben von diesen reizvollen Landschaften hat sich die Stadt ihr typisch fränkisches Gepräge bewahrt. Das Bild der Altstadt wird beherrscht von Mauern, Türmen, Fachwerkhäusern, engen Gassen, versteckten Winkeln und verträumten Plätzen, die bei einem Spaziergang oder bei einem geführten Stadtrundgang entdeckt werden wollen. Hoch über der Stadt thront die weithin sichtbare Plassenburg

In Kulmbach ist jedoch nicht nur die traditionsreiche Vergangenheit lebendig. Der Name der Stadt steht für Gastlichkeit und Gastfreundschaft. Dies zeigt sich in einer breiten Palette von Restaurants, Gaststätten, Pensionen und Hotels, in denen man bei einem guten Glas Wein oder bei einem Bier geschmackvolle Speisen und Kulmbacher Spezialitäten kosten kann. Dies drückt sich aber auch in zahlreichen Festen aus. An erster Stelle steht dabei die "Kulmbacher Bierwoche", die jedes Jahr Besucher aus vielen Ländern anlockt. Fassanstich ist immer am letzten Samstag im Juli. Umrahmt von musikalischer Unterhaltung können die Gäste neun Tage lang im Festzelt mitten in der Stadt oder im Freien weltbekannte Biersorten testen, darunter auch die stärksten Biere der Welt, den "Eisbock" und den "Kulminator" mit 28 % Stammwürzegehalt. 

Kulturinteressierte und vor allem Museumsliebhaber kommen in Kulmbach ebenfalls auf ihre Kosten. Unter dem Oberbegriff "Museenlandschaft Kulmbach" haben sich elf Museen und Sammlungen in und um Kulmbach zusammengeschlossen. Sechs von ihnen (Deutsches Zinnfigurenmuseum, Landschaftsmuseum Obermain, Staatliche Sammlungen Plassenburg, Bayerisches Brauereimuseum Kulmbach, Deutsches Dampflokomotiv-Museum Neuenmarkt und Töpfermuseum Thurnau) können mit einer einzigen Verbundkarte besucht werden.

Zur Geschichte

1035 wurde in der Alkuinbibel erstmals der Name Kulma erwähnt. Hierbei handelte es sich um einen Forsthof, der nach einem Bach benannt war, der vom Berg Culminaha herunter kommt und durch den engen Talgrund zum Weißen Main hinunter fließt. Der in der Urkunde als erster Kulmbacher Grundbesitzer genannte Reginold Walpoto schenkte die Örtlichkeit dem Bistum Bamberg. 1057 gelangte Kulmbach an das Geschlecht der Andechs-Meranier. 

Vermutlich gleichzeitig mit der Plassenburg gründeten die Andechser Grafen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine Marktsiedlung in der heutigen Oberen Stadt. 1231 erhielt Kulmbach die Stadtrechte. Nach dem Aussterben des meranischen Geschlechts 1248 fiel die Stadt als Erbe an die Grafen von Orlamünde. Aufgrund eines schon vorher abgeschlossenen Vertrages übernahmen nach dem Tod des letzten Orlamünde die hohenzollerischen Burggrafen von Nürnberg Kulmbach und die Plassenburg im Jahre 1340. 

Die Geschichte der Stadt ist eng verbunden mit der Burg und ihren Herren. So enthält das Stadtwappen noch heute Adler und Löwe der Andechser sowie den schwarzweißen Schild der Hohenzollern. Unter den Hohenzollern wurde Kulmbach zur Residenzstadt und erlebte eine bauliche, wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Die alten Handelsstraßen durch die Stadt führten nach West-, Mittel- und Osteuropa. Kulmbacher Patrizier wie die Gutteter betrieben ihre Geschäfte bis nach Nürnberg und Krakau. Von ihrem Reichtum zeugt der so genannte Pörbitscher Schatz im Landschaftsmuseum Obermain. 

1528 wurde im Fürstentum Kulmbach die Reformation eingeführt. In voller Stärke brachen daher die alten Gegensätze zu den Bistümern Bamberg und Würzburg aus. 1553 und 1554 wurden Stadt und Burg im Bundesständischen Krieg zerstört. Danach folgte ein großzügiger Wiederaufbau unter Markgraf Georg Friedrich und dem Baumeister Caspar Vischer. 1603 wurde die markgräfliche Regierung erstmals nach Bayreuth verlegt. Der Verlust der Residenz brachte dem Bürgertum zwar wirtschaftliche Einbußen, förderte aber andererseits Eigeninitiative und Selbstbewusstsein. Davon zeugt beispielsweise das neue Rathaus. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) kehrte der Hof aber mehrfach wieder in den Schutz der Plassenburg zurück. 

Durch einen Erbvertrag wurde Kulmbach 1792 preußisch. 1806 rückten französische und bayerische Truppen ein und die Stadt geriet unter die Verwaltung Napoleons, der sie aber 1810 seinen bayerischen Bundesgenossen übergab. Kulmbach entwickelte sich zu einer verträumten Provinzstadt. Erst 1846 hielt mit dem Anschluss an die Nord-Süd-Eisenbahn das Industriezeitalter Einzug, das das Leben der Stadt bis heute prägt. 1972 wurde Kulmbach Große Kreisstadt. 

Sehenswertes

Die Plassenburg / Zinnfigurenmuseum / Landschaftsmuseum Obermain / Staatliche Sammlungen Plassenburg

Stadtbefestigung

Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Kulmbach ist noch teilweise erhalten. Vor allem existieren noch einige Türme. Der Weiße Turm stammt im Kern aus dem frühen 14. Jahrhundert. Der Rechteckbau wird von einer geschweiften Haube bekrönt. Der Heiligschwertturm, ein halbrunder Schalenturm, entstand ebenfalls im 14. Jahrhundert. Der fünfgeschossige Rote Turm ist der älteste Wehrturm und wurde um 1300 erbaut. Nach oben schließt er mit einem Spitzhelm ab. Vor dem ersten Obergeschoss ist balkonartiger Pranger angebracht. 

Petrikirche

Die evangelische Stadtpfarrkirche St. Petri erhebt sich östlich der Bürgerstadt auf einem Felsplateau und bildet so den entscheidenden Akzent im Stadtbild vor der Kulisse der Plassenburg. Nach einer Beschädigung des ersten Gotteshauses im Hussitenkrieg 1430 erfolgte ab 1439 der Neubau eines spätgotischen  Gotteshauses. Diese wurde im Bundesständischen Krieg 1553/1554 erneut zerstört. Die Wiederherstellung ab 1559 war begleitet von einem Turmausbau. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Petrikirche innen regotisiert. Sie erhielt ein neugotisches Gewölbe. Gleichzeitig wurden Emporen eingebaut.

Die Pfarrkirche St. Petri präsentiert sich als dreischiffige Hallenkirche mit stark eingezogenem Chor und Westturm. Der Kirchturm ist mit Maßwerkfriesen versehen und wird von einem geschweiften Helm Spitzhelm bekrönt. Am Turmportal grüßt unter einem Baldachin eine Figur des Kirchenpatrons. Neben dem Westportal gibt es noch ein Nord- und ein Südportal, wobei letzteres von Königsbüsten, Figuren, Tieren, Krabben, Masken und Engeln geschmückt wird. Am Chor befindet sich zu jeder Seite ein Sakristeianbau. Das Langhaus wird von einem Kreuzrippengewölbe, der Chor von einem Sterngewölbe überspannt. 

Unter den Ausstattungsstücken sind vor allem der imposante Barockaltar aus der Mitte des 17. Jahrhunderts von Johann Brenk und Hans Georg Schlehdorn und der Taufstein aus der gleichen Zeit von denselben Künstlern sehenswert. Die vier Alabasterreliefs zeigen des Taufsteins zeigen die Anbetung der Hirten, die Beschneidung Jesu, die Taufe und den Kinderfreund. Erwähnenswert sind auch das Kruzifix von 1649, mehrere Gemälde und die Grabdenkmäler für Georg Wolf von Laineck und seiner Frau mit Ganzfiguren sowie für Pfarrer Peter Otto und seiner Frau mit Halbfiguren. Unter der Kirche befindet sich die Grabstelle der Herrschaft. 

Spitalkirche zum Heiligen Geist

Die evangelische Spitalkirche wurde 1739 an Stelle einer bereits 1468 erwähnten Kapelle, die zum Elisabethenspital gehörte, errichtet und gilt als Prototyp der so genannten oberfränkischen Markgrafenkirchen. Der dem Marktplatz zugewandte Chorturm entstand zehn Jahre später. Von 1804 bis 1894 bestand in der Spitalkirche ein Simultanverhältnis, das heißt hier fanden nebeneinander evangelisch-lutherische und römisch-katholische Gottesdienste statt. 

Von der Innenausstattung verdienen besonders die umlaufenden Holzemporen Beachtung, deren obere Brüstungsfelder alttestamentarische Szenen, die unteren neutestamentarische Szenen zeigen. Erwähnenswert sind auch das Deckengemälde im Langhaus mit der Darstellung der Himmelfahrt Christi und die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, auf der Christus als Weltenrichter und die vier Evangelisten zu erkennen sind. 

Rathaus

Das Rathaus an der Südostecke des Marktplatzes wurde 1752 mit einer seltenen Rokokofassade mit den Symbolfiguren Weisheit (Buch) und Gerechtigkeit (Waage) und dem alten Stadtwappen (Herrschaft der Herzöge von Meranien und der Hohenzollern) neu errichtet. In den Innenräumen findet man einen guten Deckenstuck mit Muschelwerk vor.

Schlösslein

Das Schlösslein stellt eines der Wahrzeichen Kulmbachs dar. Das jetzige Gebäude wurde, wie der Wappenstein über dem Portal zeigt, 1571 von den Herren von Künsberg nach Plänen von Caspar Vischer im Renaissancestil errichtet. Das Burggut hatten Adlige, aber auch hohe Beamte der Herrschaft inne. Später ging es nach der alten Lehensverfassung in bürgerliche Hände über. 

Brauereimuseum

Bierkultur und Biergenuss unter einem Dach findet man in einem historischen Gebäudetrakt der Mönchshofbrauerei. Didaktisch aufbereitet und leicht verständlich wird dem Besucher auf anschauliche Weise die Kunst des Bierbrauens näher gebracht. Ein Rundgang durch eine kleine inszenierte Brauerei führt in die Arbeitswelt um 1900 ein. Originaldokumente, Fotos und Exponate aus ganz Bayern stehen einer Multivision gegenüber, die über das Bierbrauen in einem computergesteuerten High-Tech-Unternehmen informiert. Eine Studiensammlung "Blick ins Depot" sowie wechselnde Sonderausstellungen beleuchten weitere Aspekte rund um den Gerstensaft. Die Sammlungen umfassen vor allem historische Trinkgefäße und Bierwerbung. Nach einem Besuch des Museums erwartet den Gast kulinarischer Biergenuss und fränkische Gastlichkeit im traditionsreichen Mönchshofbrauhaus. 

Freizeitangebote

Wer Entspannung oder körperliche Betätigung sucht, der sollte sich von einem reichhaltigen und vielfältigen Sport- und Freizeitangebot überraschen lassen. Minigolf, Tennis, Schwimmen im Frei- oder Hallenbad, Schlittschuhlaufen auf einer Kunsteisbahn oder einfach eine entspannend-spannende Fahrradtour sind nur einige Möglichkeiten zur aktiven Urlaubsgestaltung.

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

6.01 Bamberg
6.02 Bamberger Dom
6.03 Alte Hofhaltung
6.04 Neue Residenz
6.05 Klosterkirche und Benediktinerabtei St. Michael
6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor
6.07 Stadtkirche St. Martin
6.08 Liebfrauenkirche
6.09 Kirchen St. Jakob,
St. Gangolf und St. Stephan

6.10 Profanbauten und Museen in Bamberg

6.11 Scheßlitz
6.12 Giechburg

6.13 Lichtenfels
6.14 Kloster Banz
6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

6.16 Schloss Hohenstein

6.17 Coburg
6.18 Veste Coburg
6.19 Schloss Ehrenburg
6.20 Schloss Callenberg
Schloss Rosenau

6.21 Kronach
6.22 Festung Rosenberg

6.23 Burg Lauenstein

6.24 Küps
6.25 Schlösser in Küps

6.26 Kulmbach
6.27 Plassenburg

6.28 Bayreuth
6.29 Altes und Neues Schloss
6.30 Markgräfliches Opernhaus,
Festspielhaus
6.31 Kirchen in Bayreuth
6.32 Museen in Bayreuth
6.33 Eremitage

7 Cheb – Prag

 

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