6.14 Kloster Banz bei Lichtenfels

Kloster Banz

Zwischen Staffelstein und Lichtenfels erhebt sich gegenüber dem Staffelberg das bekannte ehemalige Benediktinerkloster Banz, das auf eine Geschichte von über 900 Jahren zurückblicken kann. Es stellt ein herausragendes Werk des Barock dar, in dem sich so berühmte Baumeister wie die Gebrüder Dientzenhofer und Balthasar Neumann verewigt haben.

Zur Geschichte

Auf dem Banzberg befand sich ursprünglich eine Ringwallanlage, die fränkisches Königsgut war. Nachdem sie in den Besitz der einflussreichen Markgrafen von Schweinfurt gelangt war, ließen diese sie im 10. Jahrhundert zu einer Grenzfeste ausbauen. Die Schweinfurter Erbtochter Gräfin Alberada und ihr Gemahl, Markgraf Hermann von Vohburg, stifteten 1069 die Anlage den Benediktinern. Mehrfach war die Abtei existenziell bedroht, erlebte aber auch immer wieder einen Aufschwung.

Schon bald nach dem Tode der Stifterin begann der erste Niedergang. Zur Wiederbelebung wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts der später heiliggesprochene Bischof Otto I. von Bamberg als Abt eingesetzt. Er siedelte neue Mönche an, die unter seiner Leitung zu einer guten Klostergemeinschaft zusammenfanden. Abt Otto I. ließ auch die Klostergebäude erneuern, und während seiner Amtszeit konnte 1114 die Abteikirche eingeweiht werden.

Ein Brand im Jahre 1505 und schwere Zerstörungen im Bauernkrieg 1525 machten einen Wiederaufbau des Benediktinerklosters notwendig. Er erfolgte unter Abt Alexander von Rotenhan (1529 bis 1554). Die Wirren der Reformation bedingten einen erneuten Verfall des Klosters. Dieser wurde erst durch die Restaurationsbestrebungen des Fürstbistums Würzburg aufgefangen, das nach einem Rechtsstreit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Schutzherrschaft über das Kloster Banz übernommen hatte.

In den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde das Kloster Banz erst 1632 hineingezogen, als schwedische Truppen den Abt gefangen nahmen und die Einrichtung plünderten. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis das verarmte Kloster wieder zu wirtschaftlicher und geistiger Blüte kommen sollte. Die Grundlage hierfür bildete das große Vermögen, das Abt Otto de la Bourde (1664 bis 1677) hinterließ. Sein Nachfolger, Abt Eucharius Weinert ( 1677 bis 1701), konnte damit den barocken Neubau von Kloster und Kirche in Angriff nehmen.

Die neue Barockanlage wurde ab 1698 durch Johann Leonhard Dientzenhofer errichtet. Die Kirche wurde 1713 fertiggestellt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts folgten weitere Um- und Ausbaumaßnahmen. Der Torflügelbau des großen Hofes entstand 1752 nach Plänen Balthasar Neumanns. Im dieser Zeit erlebte Banz auch eine kulturelle Hochzeit und hatte einen bedeutenden Ruf als Sitz gelehrter Mönche und der von ihnen gegründeten wissenschaftlichen Einrichtungen. Im Zuge der Säkularisation wurde die Abtei dann aber aufgehoben. Im 19. und 20. Jahrhundert wechselten mehrfach die Besitzer und der Bau erfüllte unterschiedliche Funktionen. Heute ist das Kloster eine Begegnungs- und Bildungsstätte für Erwachsene. 

Abteikirche

Die Abteikirche ist eine zweijochige Wandpfeilerkirche mit leicht erhöhtem Chor, der von der Höhe aber niedriger als das Langhaus ist. An der Westseite zeigt das Gotteshaus eine kraftvoll geschwellte Fassade, der die kuppeligen Türme entsteigen. Im Scheitel des Giebels stellt eine Sandsteinfigur die Caritas (barmherzige Liebe) dar. Die Südflanke, gegen das Maintal gewendet, wirkt flächig und einfach gegliedert. Der Eindruck des Inneren ist überraschend. Schon der Grundriss zeigt die ineinander greifenden Glieder einer dynamisch gebändigten Raumordnung. Schwingend verkurven sich die Schnittlinien der Gewölbe. Die Bauformen wirken gelenkig und wuchtig zugleich.

Die Deckenfresken in der Mittelachse des Langhauses zeigen nacheinander die Bekehrung des Saulus, die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Einsetzung des Abendmahls. In den Chorgemälden erkennt man die Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten, König David, die Rotte Korah und die drei Opfer (Melchisedek, Kain und Abel, Abraham). Der Hochaltar geht auf einen Entwurf von Dientzenhofer zurück. Im großen Gemälde ist das Kopfwunder des hl. Dionysius dargestellt. Im Auszug ist die Verherrlichung des hl. Benedikt zu sehen. Seitlich stehen Statuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Die beiden Seitenaltäre sind den Drei Königen und den Vierzehn Nothelfern gewidmet. Das Gemälde mit der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige wird flankiert von den Heiligen Barbara und Katharina, das Gemälde mit den Vierzehn Nothelfern von den Heiligen Dorothea und Agnes. Die Seitenkapellen und die Turmkapellen zieren weitere Nebenaltäre mit kunstvollen Gemälden und Skulpturen. Beachtung verdienen auch die Kanzel und das originelle Chorgestühl im Mönchschor.

In der Klosterkirche finden regelmäßig anspruchsvolle Kammerkonzerte statt, die inzwischen auch überregional Besucher anziehen.

Klostergebäude

Der Hauptbau des Klosters hinterlässt eine kolossale Wirkung. Die fünf mittleren der 27 Achsen sind durch Pilaster hervorgehoben und mit einem Giebel bekrönt. Sehenswert im Innern ist der Große Saal oder Kaisersaal, der die Ostseite des Obergeschosses einnimmt. Die Deckengemälde stellen Szenen aus der Geschichte der Stifterfamilie dar. Das Fresko im anschließenden Fürstenzimmer enthält Anspielungen auf das Fürstbistum Bamberg und das Herzogtum Franken. Im Bischofsbau, in dessen Torbogen eine Sandsteinfigur des hl. Josef grüßt, befindet sich unter anderem die Abteikapelle. Die weiteren Gebäude sind der Refektoriumsbau mit dem Refektorium (Speisesaal) und dem ehemaligen Winterchor, der Sakristeibau mit Sakristei und Hauskapelle sowie der prächtige Torbau mit reich gestalteter Kartusche im Giebelfeld und Balustrade.

Museum

Im Kloster Banz befindet sich im Nordwestflügel der den Hof umschließenden Wirtschaftsgebäude auch eine ausgezeichnete naturhistorische Sammlung (Petrefaktensammlung). Der Name Petrefakten ist eine alte, heute nicht mehr gebrauchte Bezeichnung für Versteinerungen (Fossilien). Die Versteinerungen der Sammlung stammen alle aus der Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Bei den Funden aus der Umgebung von Banz handelt es sich meist um Meerestiere wie Tintenfische, Belemniten, Ammoniten, Fische und Fischsaurier. Zu den berühmtesten Exponaten gehört der größte Fischsaurierschädel Europas. Der 2,10 Meter lange Schädel stammt von einem etwa 11 Meter langen delphinartigen Meeresreptil (Verwandter der Eidechsen). 

Die Petrefaktensammlung wird ergänzt durch eine orientalische Sammlung, Funde, die Herzog Max von Bayern 1838 auf einer Reise nach Ägypten und ins Heilige Land machte. Neben ägyptischen Grabbeigaben, Teilen von Tempelreliefs und ausgestopften Tieren gehört eine 3000 Jahre alte Mumie und ein 4 Meter langes, von Herzog Max erlegtes Nilkrokodil zu den bekanntesten Stücken. 

Lichtenfels | Kloster Banz | Basilika Vierzehnheiligen

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