6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bei Lichtenfels

Basilika Vierzehnheiligen

Gegenüber dem Kloster Banz, auf der anderen Seite des Maintals zwischen Lichtenfels und Staffelstein, steht die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Sie ist den Heiligen geweiht, die von der katholischen Kirche als die Vierzehn Nothelfer verehrt werden (Georg, Ägidius, Vitus, Pantaleon, Christopherus, Blasius Eustachius, Cyriakus, Erasmus, Barbara, Margareta, Dionysius, Katharina und Achatius).

Zur Geschichte

1445 erschien nach einer Legende Hermann Leicht, dem Schäfer des Zisterzienserklosters Langheim, auf einem Feld, das dem Kloster gehörte, dreimal ein kleines Kind. Es handelte sich um die Stelle, wo sich heute der Gnadenaltar befindet. Bei der dritten Erscheinung war das Kind von vierzehn weiteren Kindern umgeben, die hier eine Kapelle haben wollten. Da 18 Tage später eine Magd in Langheim nach Anrufung der Vierzehn Nothelfer geheilt wurde, glaubte man, dass die Kindlein die Vierzehn Nothelfer gewesen sein müssten.

Am Ort der Erscheinung errichtete man 1448 eine kleine Kapelle, zu der schon bald eine Wallfahrtsbewegung einsetzte. 18 Jahre später wurde eine Nothelferbruderschaft und die Propstei Vierzehnheiligen gegründet. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Kapelle zum ersten Mal zerstört. Der erweiterte Neubau wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) erneut Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen. Auch die danach errichteten Kapelle erwies sich aufgrund des zunehmenden Wallfahrtsbetriebs bald als zu klein, so dass der Abt von Langheim einen Neubau beschloss.

Als die Pläne dem Bamberger Bischof Friedrich Karl von Schönborn vorgelegt wurden, versuchte dieser entschiedenen Einfluss zu nehmen und schaltete sofort Balthasar Neumann ein. Dieser entwarf eine Basilika, zu der 1741 der Grundstein gelegt wurde. Als Neumann 1744 den Baufortschritt begutachtete, sah er seinen Entwurf eigenmächtig verändert. Die Kirche war so verkürzt und der Chor nach Osten verschoben worden, dass der architektonische Mittelpunkt nicht mehr mit der Gnadenstelle identisch war. Neumann sah sich daraufhin gezwungen, die Außenarchitektur von der Innenarchitektur zu trennen. 1745 waren Chor, Querhaus und Sakristeien fertiggestellt. Nun konnte mit dem Bau der Westteile mit den Türmen und Seitenschiffen begonnen werden. Nach Neumanns Tod 1753 führte Küchel die Arbeiten bis 1757 zu Ende. Zwischen 1761 und 1763 erfolgte die Einwölbung und die Verdachung des Gotteshauses, bevor man an die Stuckierung und die Bemalung ging. 1772 wurde die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen durch den Bamberger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim schließlich eingeweht. 1897 erhob Papst Leo XIII. das Gotteshaus zu einer päpstlichen Basilika. 

Der Kirchenbau

Den Besucher von Vierzehnheiligen empfängt zunächst die großartige Zweiturmfassade, deren Mittelstück nach vorne schwingt und den Stoß an die Freitreppe weiter gibt, die an drei Absätzen die Wallfahrer ans Portal bringt. Im Giebelfeld des Mittelteils ist mit dem Jesuskind und den Vierzehn Nothelfern die Szene der Erscheinungslegende dargestellt. Überragt wird der Giebel von einer Christusfigur, flankiert von den Apostelfürsten Petrus und Paulus sowie zwei weiblichen Gestalten, die die göttlichen Tugenden Glaube und Liebe versinnbildlichen. Die Statuen der restlichen 10 Apostel stehen über dem Langhaus. Die Türme werden von Zwiebelkuppen nach oben abgeschlossen. 

Durch die erwähnten eigenmächtigen Veränderungen an den ursprünglichen Plänen Balthasar Neumanns, entstand eine einmalige Innenarchitektur. Drei längsgerichtete Ellipsen vermitteln den Eindruck eines runden Innenraums in einem länglichen Baukörper. Der lichtdurchflutete Raum präsentiert ein graziöses Rokoko. Der Blick fällt zunächst auf den Gnadenaltar, der sowohl in formaler als auch kultischer Hinsicht das Zentrum der Ausstattung bildet. Er ist eingefasst von einer Balustrade, die mit allen Nothelfern umstellt ist, mit Altären nach drei Seiten und einem vierfachen Christuskind auf der Spitze des Baldachins. 

Dem eleganten Rokoko gehören auch die anderen Altäre an. Ein weiterer optischer Anziehungspunkt ist vor allem der licht im Chor aufragende Hochaltar. Das Altargemälde zeigt die Himmelfahrt Mariens. Die Statuen stellen Josef und Joachim, David und Zacharias dar. Sehenswert ist ebenfalls die phantasievolle Kanzel. Putten tragen schwebend den Kanzelkörper mit den Reliefs der Evangelisten, die von Muschelwerk umlagert sind, während der Schalldeckel eine Strahlenkugel ist. Die bildnerische Ausstattung steht fast durchweg im thematischen Zusammenhang mit dem Erscheinungswunder des Gnadenortes. Auch sie hat in erster Linie Erscheinungen zum Inhalt. So zeigen beispielsweise die Deckengemälde im Chor die Verkündigung an die Hirten, in der Hauptkuppel die Verherrlichung der Vierzehn Nothelfer mit Maria und den Bistumspatronen Heinrich und Kunigunde, über der Orgel die Anbetung der Heiligen Drei Könige, im südlichen Querhaus Josefs Traum, über dem südlchen Seitenaltar die Himmelsleiter und über dem nördlichen Seitenaltar das Opfer Abrahams. Das andächtige Staunen der Wallfahrer ist der Kirche sicher. 

Franziskanerabtei / ehemalige Zisterzienserpropstei

Bereits 1466 wurde zur Betreuung der Wallfahrer nach Vierzehnheiligen von den Zisterziensern aus Langheim eine Propstei eingerichtet. Das mittelalterliche Gebäude wurde im 18. Jahrhundert abgerissen und in den Jahren 1745 und 1746 durch eine Barockanlage ersetzt. Nach der Aufhebung des Zisterzienserklosters im Zuge der Säkularisation übernahmen 1839 Franziskaner die Wallfahrtsseelsorge.

Das Franziskanerkloster ist ein zweigeschossiger Bau mit hohem Mansarddach, der sich diagonal an den Chor der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen anschließt. Die mittleren drei Achsen treten als Risalit hervor. Bekrönt wird er von einem großen Giebel, der mit einer Rocaillekartusche versehen ist. Dort erkennt man auch die Statue des hl. Bernhard von Clairvaux. Die Fassade zum Klostergarten ist in gleicher Weise gestaltet.

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