6.17 Coburg

Stadt und Umgebung

"Andere mögen Krieg führen, du, glückliches Coburg heirate!..." Diesen Spruch nahmen sich die Herzöge von Sachsen-Coburg zu Herzen und machten die Stadt zur Wiege des europäischen Hochadels. Ein Stadtrundgang gleicht einer Zeitreise durch die Geschichte. Viele berühmte Persönlichkeiten fühlten sich in Coburg wohl wie z. B. Martin Luther, der hier Schutz und Zuflucht fand, Queen Victoria, Friedrich Rückert oder Johann Strauss, der hier seine Liebste zum Traualtar führte. "Wäre ich nicht, was ich bin, hätte ich hier mein wirkliches Zuhause", ließ Königin Victoria 1845 bei einem Besuch der Stadt verlauten.

Überragt von der weit ins Land grüßenden Veste Coburg gleicht das Coburger Land einem Garten mit Burgen, Schlössern und Fachwerkromantik. Mildes Klima, fruchtbare Äcker, Täler, Seen und sanfte Höhen bestimmen das landschaftliche Erscheinungsbild und prägen die hier lebenden Menschen, die Gelassenheit und Lebensfreude ausstrahlen. Als "die schönste Gegend der Welt" bezeichnete Gottfried Herder gar das grüne Tal, das längs der Itz von Coburg hinunter läuft.

Mitten in dieser romantischen Gegend liegt die einstige Residenz der Coburger Herzöge, deren Einfluss bis heute sichtbar ist. Die Altstadt ist reich an Ecken und Schlupfwinkeln, die den Besucher in eine romantische Stimmung versetzen können. Das Stadtbild ist vorwiegend von der Renaissance geprägt, eine Seltenheit unter den fränkischen Residenzstädten. Seine glanzvollsten Bauwerke wie etwa das Schloss Ehrenburg verdankt Coburg den sächsischen Wettinern. Die Herren von Coburg galten auch als kunstsinnige Herzöge, die in und um Coburg die Kunst gedeihen und bedeutende Sammlungen entstehen ließen. Coburg zählt heute etwa 44 000 Einwohner und ist Sitz des gleichnamigen Landkreises. 

Außenstehenden erscheint das Stadtwappen von Coburg etwas seltsam. Es zeigt den Kopf eines Schwarzen. Dargestellt ist der Schutzpatron der Stadt, der hl. Mauritius. Interessanterweise wurde er wegen seines Namens von den Künstlern des Mittelalters gerne als Mohr dargestellt, obwohl er als Nordafrikaner eine hellere Hautfarbe hatte. Dem Stadtheiligen ist auch die Hauptkirche von Coburg geweiht. Im Rathaussaal kann man den originalen "Mohrenkopf" besichtigen, ein Werk der Spätgotik.

Weltoffen und lebenslustig zeigt sich die Stadt im Sommer. Jedes Jahr wird der Festungsberg zum Zuckerhut, wenn das in Deutschland einmalige und in Europa größte Samba-Festival mehr als 200 000 Gäste in südamerikanische Temperamentsbündel verwandelt. Drei Tage und drei Nächte wird die ganze Stadt vom Sambarhythmus beherrscht. Gruppen aus Europa und Lateinamerika mit mehr als 1000 Musikern nehmen an diesem Spektakel teil. Auch sonst feiern die Coburger gerne, wie das Schlossplatzfest Ende Juli oder das Marktfest am Pfingstdienstag beweisen.

Zur Geschichte

Der Name Coburg tauchte erstmals 1056 in einer Urkunde auf. Bezeichnet wurde damit zunächst nur der Festungshügel, der heute von einer der großartigsten Burganlagen Deutschlands gekrönt wird. Erst im Jahre 1182 ist von einem Marktflecken gleichen Namens die Rede, dessen Vorteil seine Lage an der alten Handelsstraße Nürnberg-Erfurt-Leipzig war. Bis 1248 gehörte Coburg dem Hause Andechs-Meranien, bevor es an die Grafen von Henneberg gelangte. Ab 1353 sah es sich im Besitz der Wettiner. Im 14. Jahrhundert erhielt die Stadt vom Kaiser das Recht auf Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit. An Bedeutung gewann Coburg im 16. Jahrhundert, als es herzogliche Residenz wurde.

Unter Herzog Johann Casimir wandelte sich das mittelalterliche Stadtbild. Getreu seinem Wahlspruch "Frieden ernährt, Unfrieden verzehrt" hielt er sich aus der großen unfriedvollen Politik heraus und kümmerte sich dafür mit Energie und Tatkraft um den Auf- und Ausbau seiner Herrschaft. Dass ihn zwei Jahre vor seinem Tod dennoch die Weltgeschichte in Form des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) ereilte, konnte er ebenso wenig abwenden wie sein höchst friedloses Eheleben. Er starb kinderlos und hinterließ ein Land, das nun vom Krieg verwüstet wurde und um das sich einige diverse hochwohlgeborene Herren stritten. Die Veste konnte jedoch trotz massiver Belagerung von Wallenstein nicht eingenommen werden. Erst 1635 gelang dies den kaiserlichen Truppen durch eine List. Nach dem Krieg begann die Burg zu verfallen und wurde erst im 19. Jahrhundert wieder hergerichtet.

1860 fand in Coburg das erste deutsche Turnfest statt. 1862 wurde hier der Deutsche Sängerbund gegründet. 1918 endete mit allen anderen Fürstentümern auch die Geschichte des Herzogtums Sachsen-Coburg. Ein Jahr später entschied sich die Bevölkerung der Stadt in einer Abstimmung über einen Anschluss an Thüringen oder Bayern mit überwältigender Mehrheit für den Freistaat. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Coburg in eine geographische Randlage, die sich aber heute dank der Öffnung des "Eisernen Vorhangs" in die Mitte Deutschlands und Europas gewandelt hat.

Sehenswertes

Veste Coburg

Schloss Ehrenburg

Schloss Callenberg

Schloss Rosenau (Rödental bei Coburg)

Marktplatz

Der Marktplatz erhielt 1597, ein Jahr nach dem Regierungsantritt Johann Casimirs, seine heutige rechteckige Gestalt. Die ganze Nordseite des Platzes nimmt das Stadthaus ein, das Regierungsgebäude Johann Casimirs. Das gegenüber liegende Rathaus wurde 1580 errichtet. Aus dieser Zeit stammt nur noch das schwere Quaderportal. Zwischen 1750 und 1752 erfuhr das Gebäude einen Umbau, bei dem verschiedene Gebäudeteile zu einem Ganzen zusammengefasst wurden. 

An der Ecke Herrngasse befindet sich die einstige Cantzley, der schönere der beiden "Coburger Erker", geschmückt mit reich bemalten Figuren-Reliefs und von einer welschen Haube gekrönt.

Zu den beeindruckenden historischen Gebäuden zählt auch das Casimirianum, ein Renaissance-Gymnasium, zu dem Johann Casimir 1601 den Grundstein gelegt hat. Beachtenswert sind die mit Pilastern gegliederten Giebel an der nördlichen und südlichen Schmalseite.

Sehenswert ist auch die Hofapotheke, ein spätgotischer Steinbau aus dem frühen 16. Jahrhundert. Ein wunderschöner Erker aus der Entstehungszeit und eine Madonna mit Kind zieren die Fassade an einer Ecke des Hauses. Der Innenraum ist geprägt von hohen Gewölben. Ölgemälde in den Bogennischen zeugen von einer alten Besitzerfamilie.

Morizkirche

Die evangelische Hauptkirche St. Moriz ist nach dem Stadtheiligen Mauritius benannt und wird auffälligerweise ohne "t" geschrieben. Hier predigte Luther 1530 mehrmals seine noch junge Welt- und Religionssicht. Ältester Teil des Gotteshauses ist der Chor. Er stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die westliche Doppelturmfront entstand rund ein Jahrhundert später. Der Nordturm erhielt einen achteckigen Aufsatz. Mit dem Bau des Langhauses wurde erst um 1520 begonnen. Zwischen 1738 und 1742 wurde die Hallenkirche zu einem Emporensaal mit zweigeschossiger Emporenanlage umgebaut. Zwischen den Türmen über dem Portal befindet sich eine schlanke Emporenkapelle, die quasi als Westchor dient. Sie ist neben dem Chor die einzige sichtbar erhaltene gotische Erscheinung der Morizkirche. 

Über dem Chorbogen zeigt ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert Christus als Weltenrichter. Im Chor ist ein bedeutendes Kunstwerk zu sehen, ein 13 Meter hohes Epitaph aus Alabaster, das der Bildhauer Nikolaus Bergner von 1595 bis 1599 im Auftrag des Herzogs Johann Casimir schuf. In etwa zwei Meter Höhe kniet betend, überlebensgroß dargestellt, die gesamte fürstliche Familie. Der unglückliche Herzog Johann Friedrich II. wendet sich seinen beiden Gattinnen, Agnes von Hessen und Elisabeth von der Pfalz, zu. Hinter Johann Friedrich knien seine vier Söhne, die im Kindesalter verstorbenen Prinzen Johann Friedrich III. und Friedrich sowie die Herzöge Johann Ernst und der Auftraggeber des Grabmals, Johann Casimir, selbst. 

Die Bilder an der Rückwand zeigen unter der Kreuzigung und Grablegung Christi die Heimführung der Leiche Jakobs nach Kanaan, eine Anspielung auf Johann Friedrichs II. Tod in der Gefangenschaft fern der Heimat. Daran erinnern auch zwei große Bronzeplatten im Chor. Unter den eindrucksvollen Halbfiguren im Relief, die die toten Johann Friedrich und Elisabeth zeigen, berichten lange Inschriften vom Schicksal des Herzogpaares. 

Naturkundemuseum

Das Naturkunde-Museum in Coburg geht auf die Gründung eines Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinetts durch Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und seinen Bruder Albert, den Prinzgemahl der englischen Königin Victoria, im Jahre 1844 zurück. Ursprünglich war es im Augustenstift untergebracht. Später fand die Sammlung Unterkunft auf der Veste Coburg, bevor der letzte regierende Herzog Carl Eduard zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen eigenen Museumsbau im Hofgarten errichten ließ. 

Das Naturkunde-Museum widmet sich den Themenbereichen Erde, Evolution, Erdgeschichte und Mensch. Zu den Ausstellungsstücken gehören unter anderem Mineralien, Gesteine, Fossilien, Pflanzen, Vogel- und andere Tierpräparate. 
Öffnungszeiten: Montags bis freitags 9 bis 13 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 9 bis 17 Uhr

Puppenmuseum

Das Coburger Puppenmuseum befindet sich in der Nähe von Schloss Ehrenburg im ehemaligen Wohnhaus des Orientalisten und Dichters Friedrich Rückert. In über 30 Schauräumen sind rund 900 Puppen und Puppenstuben aus der Zeit zwischen 1810 bis 1950 zu sehen. Ein Großteil der Exponate kommt aus dem Coburger Land und Südthüringen. Im dritten Geschoss kann man die größte ständige Teepuppenausstellung Europas besuchen. 
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober täglich 9 bis 17 Uhr, 1. November bis 31. März dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. 

Wildpark Schloss Tambach mit Jagdfalkenhof

Etwa acht Kilometer südwestlich von Coburg liegt das Barockschloss Tambach. In seinem Park leben rund 200 Wildtiere. Angelmöglichkeit, Kleintierzoo und Restaurant sind ebenfalls vorhanden. 

Coburg | Veste Coburg | Schloss Ehrenburg | Schloss Callenberg / Schloss Rosenau

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

6.01 Bamberg
6.02 Bamberger Dom
6.03 Alte Hofhaltung
6.04 Neue Residenz
6.05 Klosterkirche und Benediktinerabtei St. Michael
6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor
6.07 Stadtkirche St. Martin
6.08 Liebfrauenkirche
6.09 Kirchen St. Jakob,
St. Gangolf und St. Stephan

6.10 Profanbauten und Museen in Bamberg

6.11 Scheßlitz
6.12 Giechburg

6.13 Lichtenfels
6.14 Kloster Banz
6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

6.16 Schloss Hohenstein

6.17 Coburg
6.18 Veste Coburg
6.19 Schloss Ehrenburg
6.20 Schloss Callenberg
Schloss Rosenau

6.21 Kronach
6.22 Festung Rosenberg

6.23 Burg Lauenstein

6.24 Küps
6.25 Schlösser in Küps

6.26 Kulmbach
6.27 Plassenburg

6.28 Bayreuth
6.29 Altes und Neues Schloss
6.30 Markgräfliches Opernhaus,
Festspielhaus
6.31 Kirchen in Bayreuth
6.32 Museen in Bayreuth
6.33 Eremitage

7 Cheb – Prag

 

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Stand: Thursday, 31. March 2016 - URL dieser Seite: http://burgen.strasse-online.de/6-bamberg-bayreuth/6-17-coburg/index.html