6.27 Plassenburg bei Kulmbach 

Die Plassenburg

Die Plassenburg erhebt sich als malerisches Wahrzeichen über den Dächern von Kulmbach. Sie ist nicht nur eines der bedeutendsten Baudenkmäler in Oberfranken, sondern auch die vielleicht schönste Aussichtsplattform im Kulmbacher Land. Ihre herausragende Bedeutung verdankt sie der imposanten, mit Bastionen versehenen Schutzmauer, der strategisch günstigen Lage und der Nähe zum Bistum Bamberg. Der Name Plassenburg bedeutet nichts anderes als Festung.

Zur Geschichte

Ihre Entstehung verdankt die Plassenburg den Grafen von Andechs-Meranien, die dieses Herrschaftszentrum am Obermain im 11. Jahrhundert von den Schweinfurter Markgrafen erbten. Zum Schutze der den Main überquerenden Freihandelsstraßen erbauten sie die 1135 erstmals erwähnte Burg auf einem Sandsteinfelsen. Diese gelangte im Jahre 1248 an die Grafen von Orlamünde.

Der Herrschaftswechsel von den Grafen von Orlamünde zu den Hohenzollern-Burggrafen in Nürnberg 1338 spiegelt sich in der Sage von der "Weißen Frau" wider. Sie erzählt von der unglücklichen Katharina von Orlamünde, die auf Burg Burg Lauenstein lebte, aus Liebe zum Burggrafen Albrecht angeblich ihre beiden Kinder ermorden ließ und seither als Unglücksbotin in den Hohenzollern-Schlössern umgeht. Ab 1397 war die Plassenburg Verwaltungszentrum und Residenz des so genannten Oberlandes, bis die Hofhaltung im Jahre 1604 nach Bayreuth verlegt wurde.

Der kriegerische Markgraf Albrecht Alcibiades wollte die Plassenburg im 16. Jahrhundert zu einer der modernsten Festungsanlagen ausbauen. Er ließ einen dritten Bering und das Niederschloss errichten. Dennoch wurde die Plassenburg im Markgrafenkrieg 1553/1554 ein Opfer der Flammen. Der Initiative des Markgrafen Georg Friedrich, der 1562 den Wiederaufbau einleitete, verdankt die Plassenburg ihr heutiges Aussehen. Unter der Leitung des bedeutenden Architekten Caspar Vischer entstand eine Renaissanceanlage, die sowohl als uneinnehmbare Festung galt als auch repräsentativen Zwecken gerecht wurde. Seit der Verlegung der Residenz nach Bayreuth diente sie nur noch als Landesfestung. Den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) überstand sie unbeschadet.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließ Markgraf Christian die Hohe Bastei und die Portalanlage mit dem Christiansturm errichten. Im 18. Jahrhundert wurde der untere Burghof vervollständigt. 1806 fiel die Plassenburg in die Hand der siegreichen Franzosen, und Napoleon ließ einen Teil der gewaltigen Festung schleifen. Im Besitz des Königreichs Bayern wurde sie Staatsgefängnis und blieb dies bis nach dem Ersten Weltkrieg. 1929 wurde die Plassenburg der Bayerischen Schlösserverwaltung übergeben, die eine vollständige Restaurierung des historischen Gemäuers durchführen ließ. Heute sind in den Räumen der Plassenburg verschiedene Museen untergebracht.

Die Anlage

Die Plassenburg wirkt von außen zunächst als schmucklose Trutzburg. Sie besteht aus der vierflügeligen Hochburg und der nordöstlich davon gelegenen Niederburg. Beide Teile sind durch Beringe und umfangreiche Bastionswerke im Osten geschützt. Die Innenfassaden der Hochburg mit ihren reichen Dekorationsformen umschließen den so genannten Schönen Hof. An den Gelenkstellen ragen vier Treppentürme empor (Kranzturm, Wachtturm, Uhrturm und Glockenturm).

Der Schöne Hof ist in Form einer Turnieranlage gebaut und gehört zu den besten Schöpfungen der deutschen Renaissance. Das weite dreigeschossige Karree mit Arkadengängen im ersten und zweiten Stock ist überreich mit Reliefs geziert, in die fiktive Porträtmedaillons der Hohenzollern eingefügt sind. Im südlichen Ostflügel befindet sich die Schlosskirche. Den schlichten tonnengewölbten Raum betritt man durch ein reich dekoriertes Portal. Von der Ausstattung ist besonders der Altar aus dem 17. Jahrhundert erwähnenswert. Im Zentrum sieht man die von Säulen eingerahmte Darstellung Christi als Weltenrichter. Die geschnitzten Seitenfiguren stellen Matthäus und Johannes dar. Beachtung verdienen auch die Wandgemälde. 

Die Niederburg umschließt den Kasernenhof und setzt sich aus Gebäuden verschiedener Bauzeit zusammen. Der sechsgeschossige Arsenalbau wurde zwischen 1572 und 1574 errichtet. Nach Osten breitet sich die Hohe Bastei aus. Das ehemalige Zentrum der Verteidigung ist von immensen Ausmaßen und stellte seinerzeit eine der stärksten und modernsten Festungsanlagen in Europa dar. Der als Aufgang zur Hohen Bastion dienende Christiansturm erhebt sich über einem quadratischen Grundriss und wird von einer geschweiften Haube bekrönt. Der Eingang ist zweigeschossig. In der Mittelnische des Obergeschosses ist als Hochrelief ein Reiterstandbild des Markgrafen Christian und im Sprenggiebel eine Sitzfigur der Pallas Athene zu sehen. An den Christiansturm schließt sich der Kasernenbau, dem an den Nordflügeln das Kommandantenhaus folgt. Den Kasernenhof zieren antike Sandsteinfiguren und ein Brunnen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Zinnfigurenmuseum

Im Jahre 1929 gegründet, zählt das Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg heute über 300 000 Einzelfiguren und ist damit die größte Zinnfigurensammlung der Welt. Der Besucher begegnet dem Alltag in der Steinzeit, nimmt teil an antiken Jagden, trifft Römer und Germanen, Ritter und Landsknechte, um über Höhepunkte aus dem Reich der Weltliteratur vorbei an den Friderizianischen und Napoleonischen Kriegen in der Neuzeit zu landen. 

Die erste Etage des Museums widmet sich der historischen Zinnfigur. Hier werden alte museale Figuren gezeigt, wie sie seit dem 18. Jahrhundert in den Produktionsstätten gefertigt werden, angefangen von der Zeichnung über die Gravur, das Gießen und die Bemalung nach Mustervorlagen bis hin zur Verpackung in Span- oder Pappschachteln. Im obersten Stockwerk über den zwei Etagen mit den Dioramen zur Welt- und Literaturgeschichte ist das Reich der vollplastischen Figuren, wo sich die Bleisoldaten ein Stelldichein geben. Vor allem steht hier das zur Zeit größte Diorama der Welt: der "Conraditag 1553" mit über 19 300 Figuren.

Von Mai bis Oktober finden donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 16 Uhr Gießvorführungen statt. Die gegossenen Figuren können käuflich erworben werden. 
Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr

Landschaftsmuseum Obermain

Im Westflügel der Plassenburg zeigt das Landschaftsmuseum kunst- und kulturhistorisch bedeutsame Gegenstände des Obermaingebietes. Am Beginn des Rundgangs steht eine Replik der Ebstorfer Weltkarte (frühes 13. Jahrhundert), anhand der man das Weltbild des hohen Mittelalters entschlüsseln kann.

Die Ausstellung widmet sich den Aspekten Stadtentwicklung, Markgrafenzeit, bürgerliches Kulmbach, Vor- und Frühgeschichte, Geologie, Paläontologie und Naturkunde, Gewürze. Der Pörbitscher Schatz nimmt eine besondere Stellung ein. Kurz vor der Plünderung Kulmbachs durch die kaiserlichen Truppen im Oktober 1634 vergraben, entdeckte man ihn 1912 bei Bauarbeiten. 
Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr

Staatliche Sammlungen Plassenburg

Im ersten Obergeschoss der Hochburg befinden sich die markgräflichen Prunkräume und die Waffenhalle. Im zweiten Obergeschoss ist eine Filialgalerie des Bayerischen Nationalmuseums mit Jagdwaffen und eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit Jagd- und Schlachtengemälden untergebracht. 
Öffnungszeiten: Täglich außer montags 10 bis 17 Uhr

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

6.01 Bamberg
6.02 Bamberger Dom
6.03 Alte Hofhaltung
6.04 Neue Residenz
6.05 Klosterkirche und Benediktinerabtei St. Michael
6.06 Karmeliterkloster und Kirche St. Theodor
6.07 Stadtkirche St. Martin
6.08 Liebfrauenkirche
6.09 Kirchen St. Jakob,
St. Gangolf und St. Stephan

6.10 Profanbauten und Museen in Bamberg

6.11 Scheßlitz
6.12 Giechburg

6.13 Lichtenfels
6.14 Kloster Banz
6.15 Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

6.16 Schloss Hohenstein

6.17 Coburg
6.18 Veste Coburg
6.19 Schloss Ehrenburg
6.20 Schloss Callenberg
Schloss Rosenau

6.21 Kronach
6.22 Festung Rosenberg

6.23 Burg Lauenstein

6.24 Küps
6.25 Schlösser in Küps

6.26 Kulmbach
6.27 Plassenburg

6.28 Bayreuth
6.29 Altes und Neues Schloss
6.30 Markgräfliches Opernhaus,
Festspielhaus
6.31 Kirchen in Bayreuth
6.32 Museen in Bayreuth
6.33 Eremitage

7 Cheb – Prag

 

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