1.18 Burg Eberbach, Burgruine
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Burgruine Eberbach

Bei der Burgruine Eberbach, bestehend aus Vorder-, Mittel- und Hinterburg, handelt es sich eigentlich um drei einzelne, voneinander getrennte Anlagen, die an strategisch günstiger Stelle auf einem Bergvorsprung errichtet wurden. Ihre Anfänge gehen bis in die Frühzeit der Wormser Herrschaft zurück. Von der Anlage aus konnte die Neckarschifffahrt und der Weg zur alten Benediktinerabtei Amorbach bzw. zum Main kontrolliert werden.

Zur Geschichte

Die Vorderburg ist der älteste Teil der Gesamtanlage und war bereits 1196 fertiggestellt, denn in dieses Jahr fällt die urkundliche Erwähnung des ersten Besitzers, Graf Konrad von Eberbach, der im Dienst des Bischofs von Worms stand. Mit dem Bau der Mittelburg wurde um das Jahr 1200 begonnen. Als 1227 das Lehen der Herren von Eberbach beendet und die Burg an König Heinrich VII. verkauft wurde, entstand die Hinterburg, deren Bau um 1240 abgeschlossen werden konnte. Heinrich VII. ließ gleichzeitig die Mittelburg ausbauen.

Nach mehreren Besitzerwechseln kam Burg Eberbach 1330 für längere Zeit an die Kurpfalz. Die letzte Stunde von Burg Eberbach sollte schlagen, als sie 1402 samt Stadt vom Pfalzgrafen Ruprecht III. dem Ritter Hans von Hirschhorn übertragen wurde. Da die Herren von Hirschhorn Burg Eberbach als Rivalin ihrer eigenen Anlagen in Hirschhorn und Zwingenberg betrachteten, erwirkten sie eine Verfügung vom König, die es ihnen erlaubte, die Anlage als unrentabel abzureißen.

Die verbliebenen Reste der einstigen Gruppenburg wurden in den Jahren 1927 und 1928 freigelegt und in der Folgezeit einige Bauteile wieder aufgerichtet.

Die Anlage

Die Vorderburg weist in ihrem Grundriss ein unregelmäßiges Vieleck auf. Die Ummauerrung schließt zwei Ruinen ein. In der Südostecke erkennt man die Reste eines Wohnturms. Das Mauerwerk besteht aus starken Buckelquadern und wird nur von zwei Schießscharten durchbrochen. Das Erdgeschoss, das vermutlich als Stallung diente, betritt man durch einen rundbogigen Eingang. Die Fundamentreste im Innern deuten auf einen noch älteren Bau hin. Ein zweiter, hochgelegener Rundbogeneingang, der das ehemalige Vorhandensein mehrerer Obergeschosse vermuten lässt, führt in die wehrhafte Turmwohnung.

An den Wohnturm schließen sich die Mauerreste eines leichteren Gbäudes an. Funde von Überresten  eines verbrannten Wagens, verkohltem Getreide, Hufeisen und Teilen eines Pferdegeschirrs belegen, dass es sich dabei um eine ehemalige Scheuer handelt. Vor dieser Scheuer sorgte eine etwa 3,5 Meter tiefe Zisterne für die Gewinnung von Regenwasser. Einen Burgbrunnen gab es offensichtlich nicht.

Der Turm in der Nordostecke der Vorderburg schützte das östliche Haupttor. In der westlichen Hofmauer ist ein zweites, von einer schmalen Mauer abgeschirmtes Pförtchen aus jüngerer Zeit erkennbar. In dessen Nähe wurde ein Bronzekessel mit einem romanischen Leuchter, einer Gewürzwaage, und ein Haarpfeil gefunden.

Von der Vorderburg ist die Mittelburg durch einen Quergraben getrennt. Sie bildet das Kernstück der Gesamtanlage. Ihre Mauern umschließen die Ruinen von Bergfried und Palas. Vom Torbau der Mittelburg ist nur ein Pfosten erhalten.

Der imposante Bergfried weist einen Umfang von 11 mal 11 Metern auf. Die Mauerstärke beträgt 3 Meter. Die ursprüngliche Höhe dürfte etwa 20 Meter betragen haben. Der Turmeigang, der nur mittels einer Leiter zu erreichen war, befindet sich im ersten Obergeschoss. Das Untergeschoss hat als einzige Öffnung einen schmalen Wasserauslass.

Der Palas der Mittelburg, der von einer stimmungsvollen Baumgruppe umrahmt wird, ist im Grundriss annähernd rechteckig. Durch eine Zwischenmauer wird er in zwei ungleiche Flügel geteilt. An der Südseite befinden sich zwei rundbogige Eingänge. Das Scheunentor aus mächtigen Quadern an der Ostseite lässt im dortigen Bereich einen ehemaligen Stall vermuten. Der jetzige nördliche Zugang wurde erst in jüngerer Zeit gebrochen und ist nicht historisch. Fenster sind im Untergeschoss nicht vorhanden. Den Aufgang zum Obergeschoss des Palas bildete wohl eine Holztreppe im Innern. Die Bodenhöhe des Obergeschosses ist noch deutlch an der nach innen vorspringenden Mauer erkennbar. Die Außenwände werden von drei romanischen Fenstern durchbrochn, wobei das dreiteilige Fenster auf der Südostseite mit den zwei Doppelsäulen ein besonderes Schmuckstück darstellt.

Die Ruine des Palas diente schon öfter als Kulisse für Freilichtaufführungen kleinerer Festspiele. Von dort aus erreicht man auch den ehemaligen Burggarten, in dem heute eine Hütte dem Wanderer und Burgenbesucher Unterschlupf bei schlechtem Wetter bietet.

Etwa 60 Meter von der Mittelburg entfernt liegt die Hinterburg. Sie ist völlig zerstört und stellt nur noch ein Trümmerfeld dar. Zu erkennen sind der rechteckige Grundriss der Anlage anhand der Reste der Außenmauern, das Burgtor im Südosten, der überbaut gewesene Zwinger im Westen, der Palas im Norden und der Bergfried im Süden.

Der Bergfried der Hinterburg ist fast quadratisch. Die Mauer weist im unteren Bereich eine Stärke von 2,20 bis 2,40 Meter auf. Die Türöffnung in der Nordmauer wurde nachträglich gebrochen. Zu den Funden im Bergfried gehören ein Wasserausguss, Bruchstücke eines Gesimses, ein Rundbogenstein und Reste eines großen Türschlosses. Weitere Funde machte man bei der Ausgrabung der Außenmauern, darunter Ziegelstücke, Backsteine, Gefäßscherben sowie eine Sandsteinplatte mit der Hälfte eines eingeritzten Mühlespiels. Vom Palas der Hinterburg stehen nur noch die auf dem Fels aufsitzenden Fundamente des Erdgeschosses.

Obwohl die Burg Eberbach heute nur noch Ruine ist, lohnt ein Besuch, auch weil von hier aus ein imposanter Blick über die Stadt Eberbach und das Neckartal möglich ist. Besichtigungen sind jederzeit möglich. Zu erreichen ist Burg Eberbach über einen bequemen Fußweg von der Stadtmitte aus in etwa 45 Minuten. Funde der Burgen befinden sich im Museum der Stadt Eberbach.

Sagen

Um Burg Eberbach ranken sich mehrere Sagen. So wird beispielsweise von dem treuen Diener des letzten Burgherren erzählt, er sei aufgrund seines ausgefallenen Hutes, den er bei seinen Gängen in die Stadt trug, zum Gespött der Kinder von Eberbach geworden. Seit seinem Tod irrt er nun als Geist auf dem Burggelände umher. Er gilt zwar grundsätzlich als gutmütig, doch sollte man es nicht wagen, ihn bei seinem Spitznamen "Bordehut" zu rufen. Eine unsichtbare Ohrfeige könnte die Folge sein.

Eine weitere Sage erzählt von einem Schatz, der unter einem überwucherten Weidenbusch vergraben sein und von einem feurigen Hund bewacht werden soll. Wer den Schatz heben will, muss viel Mut beweisen und den Hund verjagen. Doch selbst wenn ihm das gelingen sollte, scheint jede weitere Mühe vergeblich zu sein. Beim Berühren der Blätter des Weidenbuschs trifft den Goldgräber nämlich ein Schlag von Geisterhand.

Vor einigen Jahren erinnerten zwei Steinkreuze an einen unsäglichen Zweikampf zwischen dem Ritter von Eberbach und dem Ritter von Stolzeneck. Beide Edelmänner, so wird berichtet, sprachen in einer Schänke kräftig dem Wein zu. Jeder pries seine eigenen mutvollen Taten, worüber es zum Streit kam. Schließlich warf der Ritter von Eberbach seinem Gegenüber den Handschuh ins Gesicht. Jener wollte sich mit einem nächtlichen Überfall rächen. Dabei kam es jedoch zu einem so schweren Handgemenge, dass sich beide gegenseitig tödlich verletzten.

Eberbach am Neckar

Burgenstraße

 

 

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Burgenstraße

1 Mannheim – Neckarzimmern

1.01 Mannheim an Rhein und Neckar
1.02 Kurfürstliches Schloss, Mannheimer Schloss
1.03 Rundgang durch das Mannheimer Schloss
1.04 Wasserturm, Jesuitenkirche, Luisenpark, Zeughaus mit Reißmuseum

1.05 Ilvesheim

1.06 Ladenburg

1.07 Edingen-Neckarhausen

1.08 Heidelberg
1.09 Heidelberger Schloss, Rundgang durch das Schloss

1.10 Neckargemünd
1.11 Bergfeste Dilsberg

1.12 Neckarsteinach – "Vierburgenstadt"
1.13 Hinterburg
1.14 Mittelburg, Vorderburg, Burg Schadeck

1.15 Hirschhorn – Perle im Neckartal
1.16 Burg Hirschhorn

1.17 Eberbach – Erlebnisstadt am Neckar
1.18 Burg Eberbach

1.19 Zwingenberg
1.20 Jagdschloss Zwingenburg

1.21 Neckargerach
1.22 Minneburg

1.23 Obrigheim
1.24 Schloss Neuburg

1.25 Mosbach
1.26 Neckarelz, Lohrbach

1.27 Neckarzimmern
1.28 Burg Hornberg

2 Haßmersheim – Heilbronn

3 Jagsthausen – Rothenburg o. d. Tauber

4 Colmberg – Nürnberg

5 Erlangen – Heiligenstadt

6 Bamberg – Bayreuth

7 Cheb – Prag

 

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