5.18 Burg Rabeneck bei Waischenfeld, Fränkische Schweiz

Burg Rabeneck

Burg Rabeneck erhebt sich über dem gleichnamigen Stadtteil von Waischenfeld. Sie ragt auf der äußersten Spitze eines wild zerklüfteten Dolomitfelsens hervor, an dessen Fuß die fachwerkgeschmückte Rabenecker Mühle liegt. Die Burg beherrscht weithin das mittlere Wiesenttal und gehört zu den anziehendsten Punkten der Region. Der Dichter und Verfasser des Frankenliedes, Viktor von Scheffel, hat den Anblick, den sie vom Tal aus bietet folgendermaßen in einem Gedicht beschrieben:

"Das Rabeneck hängt keck und fest
an finstrer Felsenrippe.
Als zieme solch Raubvogelnest
zum Schmuck jedweder Klippe."

Zur Geschichte

Burg Rabeneck wurde Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts als Tochter der 3 km entfernten Burg Rabenstein erbaut. Die Herren von Rabeneck bildeten einen Zweig der Herren von Rabenstein. Der Name Rabeneck tauchte erstmals im Jahre 1257 auf. Im 13. Jahrhundert gewannen die Herren von Schlüsselberg Besitzanteile an der Burg. Nachdem Konrad II. von Schlüsselberg als letzter Vertreter seines Geschlechts 1347 in einer Fehde mit den Bischöfen von Bamberg und den Burggrafen von Nürnberg getötet wurde, kam sie in den Besitz des Hochstifts Bamberg, das sie zum Amtssitz bestimmte. 

Die folgenden Jahrhunderte waren von mehrfachen Besitzerwechseln geprägt. Als Burg Rabeneck im Bauernkrieg 1525 von aufständischen Bauern niedergebrannt wurde, befand sie sich bereits rund 140 Jahre in den Händen der Stiebar. Nach dem anschließenden Wiederaufbau wurde sie Mitte des 16. Jahrhunderts dem Hochstift Bamberg zu Lehen aufgetragen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatten wieder die Herren von Rabenstein die Herrschaft inne. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) war Burg Rabeneck 1635 Ziel eines Angriffs durch die Einwohner von Waischenfeld, weil der damalige Besitzer Christoph von Rabenstein es mit den Schweden gehalten haben soll, die zuvor Burg Waischenfeld angegriffen und zerstört hatten. Bis zu ihrem Aussterben 1742 wohnten die Herren von Rabenstein weiter auf der Burg, bevor die Grafen von Schönborn sie erlangten. In dieser Zeit war Burg Rabeneck zunehmend im Verfall begriffen gewesen. Lediglich die Hauptburg hatte man wieder aufgebaut. Die Vorburg war aufgegeben worden. Heute ist Burg Rabeneck in bürgerlichen Händen. 

Die Anlage

Gesichert war Burg Rabeneck durch einen äußeren und einen inneren Graben. Der äußere Burggraben ist heute fast völlig zugeschüttet. Von der Vorburg sind lediglich einige Mauerreste in der Südwestecke übriggeblieben. Es sind Ruinen eines unterkellerten Eckturmes, der zusammen mit dem sich nordwärts anschließenden Kasemattenbau zur Verteidigung des Zugangs zur Hauptburg diente. 

Der 10 m breite und 5 m tiefe innere Burggraben ist in den Fels gehauen. Über ihn führt eine Bogenbrücke neueren Datums in ein quadratisches, zweigeschossiges Torhaus. Die Öffnung nach innen hatte den Zweck, dass sich eingedrungene Feinde nicht festsetzen konnten. Zur Verteidigung dienten zwei Schießkammern. Die Gussöffnung über dem Tonnengewölbe ist wie die Führungssteine eines ehemaligen Fallgitters ein Überbleibsel aus dem späten Mittelalter. Das heutige Eingangstor ersetzt ein früheres Tor, das sich etwa 9 m weiter südlich befand und von dem noch der Ansatz eines Rundbogens erkennbar ist. 

Über mehrere Stufen gelangt man vom Torhaus in den höher gelegenen Burghof. Die Hauptburg umfasst heute nur noch zwei Gebäude, ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Walmdach und ein viergeschossiges Wirtschaftsgebäude mit Satteldach. Die Fensterformen des Wirtschaftsgebäudes weisen auf seine Funktion als Getreidespeicher hin. An das Wohngebäude schloss sich westlich ein weiteres zweigeschossiges Gebäude an, von dem nur noch die südliche Außenmauer steht. Der Südwestseite ist ein Zwinger vorgelagert, dessen Mauerzüge in die Sperrmauer des Grabens übergeht. 

Burgkapelle St. Bartholomäus

Nördlich der Burg befindet sich in kühner Lage auf einer kleinen, etwas tiefer liegenden Bergnase die St. Bartholomäus geweihte Burgkapelle. Erbaut wurde sie um 1415. In der ersten Hälfte wurde sie einer Erneuerung in barocken Formen unterzogen. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten Ausstattungsstücke wie der Altar von 1717 und die Kanzel von 1734. Den Schalldeckel der Kanzel ziert eine Holzfigur des Kirchenpatrons aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 

Eine Sage zur Burg Rabeneck

Über das Aussterben des ruhmreichen Geschlechts der Rabensteiner mit seiner rund 700jährigen Geschichte erzählt eine Sage Folgendes: 

Der letzte Vertreter des Geschlechts von Rabenstein, Johann Albrecht, hatte zwei Söhne im Alter von sechzehn und vierzehn Jahren. Bei der erfolgreichen Heimkehr von einer Jagd erlaubte der stolze Vater den Jünglingen ein Erfrischungsbad in einem Teich des Talgrundes. Da beide als hervorragende Schwimmer galten, ließ sie der Vater sorglos allein. Wenig später wurde ihm jedoch berichtet, dass beide Kinder plötzlich unter der Wasseroberfläche verschwunden gewesen und ertrunken seien. Jetzt erst erinnerte er sich eines früheren Traumes, in dem ihm der Tod seiner Nachkommen vorhergesagt worden war. Grenzenloser Schmerz über den Verlust seiner geliebten Söhne und damit seiner Nachkommenschaft ließ Johann Albrecht von Rabenstein immer mehr in Gram versinken, bis er schließlich nach wenigen Jahren vereinsamt starb. 

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